Die fünfte Minute der Nachspielzeit weckte neue Hoffnung auf das Wunder! Ausgleich Kiel gegen Bayern. Und dann kämpften sich wackere Kieler gar nicht nur mit Glück, sondern auch mit richtig guten Kombinationen und Spielzügen bis ins Elfmeterschießen. Und der 12. Elfmeter brachte die Entscheidung: Kiel hat Bayern in der zweiten Pokalrunde aus dem Wettbewerb geworfen! – Alle Bayernfans mögen es mir nachsehen (mein Verein ist ja am Tag davor auch schon ausgeschieden gegen Bayer Leverkusen): aber wie schön ist das denn, wenn das kaum Erwartbare auf einmal gelingt und Wunder geschehen. Der Fußball hat uns gestern ein Beispiel geliefert. Und wir – wir waren hier im Norden mal einen Abend ablenkt von den bedrückenden Coronazahlen und den immer ähnlich verlaufenden Talkshow-Diskussionen. Mir tat es gut mal was ganz anderes zu schauen und dann noch so ein Finale zu erleben! Und vielleicht – ja vielleicht können wir ja doch vom Fußball auch etwas über die ganze momentane gesellschaftliche Lage bei uns lernen. Müdigkeit macht sich breit. Bei mir – und ihr kennt das bestimmt auch. Irgendwie dachte ich: alles geht schneller, im Januar geht es aufwärts, die Impfungen erreichen schnell die Millionenhöhe, die Infektionen gehen zurück, die Geschäfte machen auf, ich kann endlich meine Konfis wieder analog im Unterricht sehen, wir können am Valentinstag einen Gottesdienst mit Gemeinde feiern und Ostern sowieso ... Und jetzt – Überlegungen: was machen wir dieses Jahr?

 

Ostersteine hatten wir schon letztes Jahr. Ostereiersuchen mit den Kindern geht ja auch wieder nicht ... Osternacht – wieder nur in der leeren Kirche. Livestream, den ja viele gar nicht daheim sehen können ... Und die Einsamkeit von Menschen nimmt weiter zu. Die Kinder, denen die Freunde fehlen, das Balgen, der Verein, die Schule. Eltern, die längst am Limit sind zwischen Homeschooling und Homeoffice. Die Sorgen der Geschäftsleute, wir kennen doch einige persönlich und leiden mit ihnen mit ... Und die, die jetzt gerade in Husum im Krankenhaus liegen – und das Pflegepersonal, nun selber etliche infiziert, und die noch im Dienst sind eh schon lange an den Grenzen der eigenen Belastbarkeit angekommen ... Wie soll alles weiter gehen? – Wenn wir zusammenhalten in der Gesellschaft, in der Gemeinde, wie gestern die Kieler, die nur mit einer guten Teamleistung das Spiel gewinnen konnten. Wenn wir bloß nicht aufstecken, jetzt, wo schon so viel geschafft ist! Wenn wir noch einmal uns aufschwingen zu Ideen, Anregungen, Impulsen – und darauf vertrauen, dass Gott uns Energie geben will! Wenn wir noch einmal uns puschen, an die Grenzen der eigenen Kräfte gehen, anderen zureden, gute Worte füreinander finden, alles mobilisieren, weil wir spüren: es lohnt sich und ist jetzt ganz wichtig! Wenn wir einander im Blick behalten und zusammenstehen. Und wenn uns ab und zu jemand anspornt, so wie der Kieler Trainer gestern seine Jungs richtig gut angespornt hat. Dann stehen wir auch jetzt diese Zeit durch: Gott ist mein Hirte, der mich, der dich führt. Er ist wie ein Trainer, der Kräfte freisetzt, die ich schon gar nicht mehr in mir und du nicht in dir vermutet hättest! Und wir dürfen wissen: Alles ist möglich, dem, der glaubt und vertraut. – Das war eine echte Lehrstunde gestern, von Holstein Kiel – vielleicht für uns alle! – Bleibt gut behütet! Euer Pastor Gerald

Foto: Die Weihnachtsbäume sind abgeholt in Emmelsbüll – aber Weihnachtsspuren gibt es noch!