Nun ist er eingeführt, der neue US-Präsident, der Inauguration-Day verlief friedlich, wenn auch so ganz anders als sonst aufgrund der Corona-Pandemie. Und Joe Biden leistete den Amtseid. Mit der Hand auf einer Bibel. Einer zugeschlagenen Bibel – manche der Vorgänger hatten die Bibel auch aufgeschlagen gehabt, auf einer bestimmten ihnen wichtigen Stelle. Und es gab sogar US-Präsidenten, die beide Hände je auf eine aufgeschlagenen Bibel legten, an zwei verschiedenen Stellen aufgeschlagen weil ihnen zwei Bibelverse sehr wichtig waren. Welche Bibelstelle hätte Joe Biden denn wählen können? Vielleicht Matthäus 5, Vers 34 und Vers 37, wo Jesus entschieden sagt: „Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt … Eure Rede sei Ja, ja und nein, nein“. – Damit erinnert uns Jesus ja gerade daran, dass wir immer bei der Wahrheit bleiben sollen und jedes Wort von uns echt und mit dem Herzen geprüft sein soll, auch in all seinen Auswirkungen, die es hat, wie ein Schwur. Und dass wir uns fern halten sollen von allen fake news, in denen sich ein gewisser Amtsvorgänger ja sehr gefiel. – Oder ein Vers aus dem Johannesevangelium: „Ich bitte für sie, dass sie alle eins sind.“ (Johannes 17,21).

Das Land zu einen, die Menschen, das wird eine Herkulesaufgabe, die auch nur gelingen kann, wenn sich die Lager mitnehmen lassen. Mit Kamala Harris zum ersten Mal eine Frau, und dazu mit afroamerikanischen Wurzeln und einer umwerfend herzlichen Ausstrahlung zur Vize-Präsidentin zu machen, war ein ganz wichtiger Schritt. Das Angebot in der Präsidentenrede, dass Joe Biden versprach ein Präsident für alle Amerikanerinnen und Amerikaner zu sein, war die ausgestreckte Hand zum Lager der Trumpwähler. – Und dass eine der ersten Amtshandlungen des neuen Präsidenten war die Fortsetzung der Mauer nach Mexiko hin zu stoppen, lässt hoffen, dass Joe Biden auch die Welt wieder mehr einen will und neben das „America first“ das Überleben, den Frieden, die Gerechtigkeit für die ganze Welt setzt. – Passend als Bibelvers ist sicher auch der Schöpfungsauftrag: „Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten, dass er ihn bebaute und bewahrte.“ (1. Mose 2,15). Die sofort vollzogene Rückkehr der USA ins Pariser Klimaschutzabkommen erinnert an die Dringlichkeit dieser Aufgabe, vor der wir alle stehen, damit unsere Kinder und Enkel auf diesem Planeten noch eine Zukunft haben. – Überraschend und vielleicht doch sehr passend wäre womöglich auch Psalm 127,2: „Den Seinen gibt es der Herr im Schlaf.“ – Also nicht dass ein Staatsmensch die Hände in den Schoß legen und nur noch schlafen sollte. Aber ein wenig Demut steht einem Staatsmenschen auch immer gut an: Allein wir Menschen können gar nicht so viel ausrichten und sollten uns wichtig, aber doch nie zu wichtig nehmen. Die Bibel sagt sogar: wir können gar nichts bewegen, wenn der Herr nicht seinen Segen dazu gibt. Und Gott gibt auch da, wo wir völlig machtlos sind. Er gibt sogar im Schlaf. Diese Demut strahlt für mich auch der Zusatz des Amtseides aus: „So wahr mir Gott helfe!“ – Ach, es gibt so viele passende Bibelverse, und dazu zählt für mich auch die Jahreslosung 2021:„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lukas 6,36). Nicht alle haben daheim einen barmherzigen Vater, es gibt Gewalt in Familien und Kindesmissbrauch. Wie kostbar, wenn wir einen barmherzigen Vater, eine barmherzige Mutter haben und die Türen daheim immer offen stehen. Wie kostbar, wenn wir in der Familie barmherzig miteinander umgehen, auch in diesen Zeiten, wo viele genervt und gestresst sind von den Einschränkungen wegen Covid-19. Barmherzigkeit – wie kostbar, wenn ein Staatsmensch mitfühlen kann mit den Menschen! Joe Biden hat selber menschliche Tragödien erlebt, Ehefrau und ein Kind verloren. Er wirkt wie jemand, den die Not anderer nicht kalt lässt. Und wir alle leben von Menschen, die ein Herz für uns haben, wenn es uns schlecht geht. Und für uns alle sind das doch oft kostbare Momente, die so viel Erfüllung eben: wo wir für andere etwas tun können, anderen unser Herz zeigen können und uns ihnen zuwenden in der Not um zu helfen. Das braucht es in dieser Zeit ganz besonders. Wo hättet ihr als US-Präsident oder Präsidentin die Bibel aufgeschlagen? Einer meiner Lieblingsverse steht im 1. Johannesbrief: „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Johannes 4,16). Bleibt in dieser Liebe, und bleibt behütet!

Euer Pastor Gerald