„Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.“ – Dieser Bibelvers aus Jesaja 56,5 gab in Israel der Gedenkstätte Yad Vashem ihren Namen: Denkmal und Name. Es war der Tag auf unserer Israelreise, der uns für eine ganze Weile verstummen ließ. Eindrücke nahmen wir mit, die wohl niemand, der dabei war, wieder vergessen kann. Der Besuch des Museums zur Geschichte des Holocaustes. Die Halle der Erinnerung mit den Namen der 22 größten Konzentrationslager, in den Boden eingraviert. Die Allee und der Garten der Gerechten unter den Völkern.

Die Halle der Namen, in der Gedenkblätter für die Ermordeten des Nationalsozialismus aufbewahrt werden, von Angehörigen erstellt: Fotos, persönliche Angaben, die jedem Opfer ein persönliches Andenken und ein Gesicht geben. Und dann stand ich im Kindermemorial: diesem abgedunkelten, unterirdischen Raum, in dem das Licht von fünf Kerzen in Spiegeln so reflektiert wird, dass ein gewaltiger Sternenhimmel an der Decke entsteht, während auf einem Endlos-Tonträger die Namen der 1,5 Millionen jüdischen Kinder verlesen wurden, die von den Nationalsozialisten umgebracht wurden. – An Reden war danach nicht zu denken, wir alle brauchten Zeit um die Eindrücke zu verarbeiten. Ein Mitreisender neben mir fing an auf einmal statt deutsch englisch zu reden – so sehr schämten wir uns alle in dieser Gedenkstätte unserer deutschen Geschichte.
Es ist wichtig, dass niemals vergessen wird. Es ist wichtig, dass wir keine Toleranz gelten lassen gegenüber Rassismus und Totalitarismus. Es muss gelingen, dass nie wieder ein Jude, eine Jüdin in unserem Land Angst haben muss um sein, um ihr Leben. Es kann nur gelingen, wenn wir alle es als unsere große Verpflichtung begreifen – gespeist aus unserer abgründigen Geschichte. Heute auf den Tag vor 76 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit. Ungefähr 8000 Überlebende konnten die sowjetischen Truppen damals befreien. Und sie fanden einen Tatort vor voll furchtbarer, unvorstellbarer Verbrechen. Heute ist ein Tag des Innehaltens und Gedenkens. Des Aufschreiens und des Verstummens. Dass wir niemals vergessen. Dass wir immer neu begreifen: Wir Menschen gehören zusammen über alle Grenzen von Kultur, Abstammung, Nationalität, Religion hinweg. Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild. Unvergleichlich wertvoll und kostbar. Nie mehr Antisemitismus. Nie mehr Rassismus!

Auf der Seite der Kirchengemeinde Husum könnt ihr einen zutiefst berührenden Gedenkgottesdienst mitfeiern: www.kirche-in-husum.de

Bleibt behütet!

Euer Pastor Gerald

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