Gerade war ich in der Emmelsbüller Kirche und habe die Würfelwand abgebaut – die Wand, die Kinder mit Gedanken, Bildern und Wünschen zu Weihnachten gestaltet haben. Die Seebrise e.V. hatte die Würfel samt Idee zur Verfügung gestellt, und so wurde eine gemeinsame Kinderaktion daraus. Und die Bilderwand war ein ganz besonderer Kirchenschmuck! Nun ist also wieder abgeschmückt. Denn Weihnachten ist vorbei. Jetzt erst, fragt ihr vielleicht? Weihnachten ist doch schon eine gefühlte Ewigkeit her! Die Weihnachtskarten sind längst beiseite gelegt. Die Weihnachtsplätzchen sind bei uns (fast) alle aufgefuttert. Der Christbaum längst schon von der Feuerwehr abgeholt worden. Die Weihnachtsdeko verschwunden. Fast, sagen wir mal. Weihnachten. Und doch sah ich erst am Wochenende in der Nachbarschaft Weihnachtsdekoration noch leuchten! Und das zu Recht.

Denn Weihnachten ist eigentlich erst gestern zu Ende gegangen. Mariä Lichtmess. 40 Tage nach den Weihnachtstagen endet die Weihnachtszeit. Also vom Kirchenjahr her gesehen. 40 ist eine heilige Zahl in der Bibel, 40 Jahre zog das Volk unter Mose durch die Wüste auf dem Weg ins gelobte Land, 40 Tage hat Jesus nach seiner Taufe in der Wüste gefastet und sich auf sein öffentliches Wirken vorbereitet. 40 Tage oder auch mal Jahre ist in der Bibel immer eine heilige Zeitspanne, in der etwas zum Abschluss kommt und etwas Neues in Vorbereitung ist. 40 Tage bis Ostern dauert die Passionszeit. 40 Tage beträgt die Zeitspanne von Ostern bis Himmelfahrt – so lange sei der Auferstandene den Jüngerinnen und Jüngern immer wieder erschienen, erzählt der Evangelist Lukas, bis sie das Wunder auch fassen konnten. Und 40 Tage dauert auch die Weihnachtszeit, die Festfreude, das Staunen über das Kind in der Krippe, über diesen Gott, so zum Anfassen nahe! Bei uns bildet Weihnachten ja oft eher den Abschluss der Weihnachtsfreude – die Adventszeit, eigentlich wie die Passionszeit eine Zeit des Fastens und der stillen Einkehr – ist stattdessen schon weihnachtlich-freudig geprägt. Aber eigentlich gibt unser Kirchenjahr dem Weihnachtsfest nach hinten raus viel mehr Zeit, und das ist gut so! Mariä Lichtmess hat auch biblische Wurzeln. Im jüdischen Glauben ist es Brauch, dass eine Frau 40 Tage nach der Geburt eines Jungen (und 80 Tage nach der Geburt eines Mädchens) ein Reinigungsopfer darbringt in Form eines Schafes oder zweier Tauben. Ab dann gilt die Frau wieder als kultisch rein und darf wieder an Gottesdiensten teilnehmen. Der Evangelist Lukas erzählt, wie Maria und Josef aus diesem Anlass mit Jesus zum Tempel in Jerusalem zogen. Dort im Tempel treffen sie mit Simeon und Hanna zwei hochbetagte Menschen, die in Jesus gleich den sehen, den Gott in die Welt gesandt hat. So sagt Simeon: „Jetzt lässest du, Gott, deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.“ (Lukas 2,29-30). Darauf hatte er all die Zeit noch gewartet und wusste: jetzt kann er in Frieden sterben, er hat das Ziel seines Lebens erreicht, und er kann gehen im Vertrauen: alles wird gut! Was für ein Satz und was für ein Geschenk, wenn man in diesem Vertrauen sterben kann! Mariä Lichtmess – für katholische Christinnen und Christen ist es ein ganz besonderes Fest, an dem in den Kirchen die Kerzen für das ganze Jahr geweiht und gesegnet werden. Für uns Evangelische ist dieser Tag eine Erinnerung an diese Begebenheit damals im Tempel und die großen Worte von Simeon. Ein Tag, der uns zurückschauen lässt auf das Wunder von Weihnachten, aber uns zugleich erinnert: Weihnachten geht weiter: der Heiland ist da. Alles wird gut. Und bis alles gut ist, ist da jemand, der dich und dein Leben durch alle Höhen und Tiefen begleitet und es gut mit dir meint. Jesus. Der Heiland. Nicht mehr wegzudenken aus deinem, aus unserem Leben. – Und darum kann auch ruhig das eine oder andere Weihnachtsschmuckstück in der Wohnung stehen bleiben und uns auch im Frühjahr, Sommer und Herbst erinnern: Jesus ist da! Und zum Abschluss noch eine Bauernregel: „Ist es Lichtmess klar und hell, kommt ein zweiter Winter schnell.“ – Na, schaut raus: da ist er!

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald

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