Klar, war ich dabei! Ist doch logisch. Ist doch kein Problem in diesen Tagen sich ins eiskalte Wasser zu stürzen. War doch erst vorgestern ein großer Artikel im Nordfriesischen Tagblatt übers Eisbaden. Olaf Hinrichsen macht es. Wladimir Putin macht es auch. – Na ja, ganz so habe ich nicht reagiert. „Also ich mach das nicht“, habe ich gesagt. „Viel zu kalt! Das ist nichts für mich!“ – Aber Martha, unsere jüngste Tochter, ließ sich nicht beirren. Und was sie sich in den Kopf gesetzt hat, das macht sie, das haben wir als Eltern inzwischen verstanden. So ging es los. Vorgestern. Südwesthörn. Verhangener Himmel. Etwas graues Tauwetter. Aber Eisschollen schwammen noch im Wasser, das zur Flutzeit auch reichlich da war. Ein paar Lockerungs- und Atemübungen. Sie hatte sich gut informiert. Dann ging es los. T-Shirt und Badehose an, und zack ins Wasser.

Lia, unsere Boxerhündin, bellte vor Aufregung um ihr Frauchen, aber traute sich genauso wenig wie ich hinterher. Nach einem ordentlichen Abtauchen stieg sie recht langsam aus dem Wasser und zog sich in aller Ruhe wieder um und an. Ich fror beim Anblick. Sie meinte, ihr wäre jetzt warm. Eisbade-Challenge bestanden! - Manchmal ist das im Leben so. Wir springen ins kalte Wasser. Manchmal mutig, weil wir etwas wagen. Manchmal haben wir auch keine große Wahl abzulehnen, das Leben bringt mitunter Umstände mit sich, die wir uns freiwillig nie gesucht hätten, aber die es dann mit positiver Energie anzunehmen gilt. Was sage ich euch da – ihr kennt das alle selbst. Ich denke an eine Familie, die sich lange auf ihr Kind gefreut hat. Sie wird schwanger. Irgendwann sagt ihr der Arzt, ihr Kind würde eine geistige Behinderung haben. Trisomie 21. Nächtelang hat sie gegrübelt mit ihrem Mann, was sie tun sollen: das Kind austragen? Schaffen sie die Herausforderung? Sie spürten ihre Liebe zu ihrem Kind. Sie konnten zu diesem Kind nicht mehr Nein sagen. Jahre später erzählt die Frau, wie dieses Kind ihre Ehe nur um so enger zusammengeschweißt hat. Wie es nicht einfach ist, aber wie sie ihr Kind auch nicht mehr missen wollen. Und sich sicher sind, dass der liebe Gott sie beide als Eltern ausgesucht hat, weil er wusste: die schaffen das , und ihnen wird dieses Kind unendlich gut tun. – Kaltes Wasser: Was wäre unser Leben ohne so manchen Sprung da hinein. Ohne die Übernahme mancher Aufgabe, von der wir vorher nicht wissen: packen wir das? Aber im Leben will manches gewagt sein. Und Gott ist bei uns! Glaube muss kein Sprung ins kalte Wasser sein. Ein Wagnis ist Glaube auch. Aber wir dürfen in der Bibel lesen, in welcher Treue Gott für uns einsteht. Wir dürfen wissen, dass er uns das Leben geschenkt hat, uns mit Jesus seine Liebe, sein Heil schenkt. Anders als ich vorgestern in Südwesthörn lässt er andere nicht allein ins kalte Wasser springen. Er springt mit und bleibt an unsrer Seite. „Gott. Wir beten heute für Menschen, die gerade vor großen neuen Herausforderungen stehen. Die Pflege ihrer Eltern. Die Angst den kleinen Betrieb nicht mehr aufmachen zu können nach dem Lockdown, weil die Schulden so hoch sind. Ein Umzug, der ansteht, und er, sie weiß nicht, ob der Weg richtig ist. Oder anderes, was gerade auf Menschen einstürmt. Gib ihnen Mut und Entschlossenheit. Zeige ihnen, was richtig ist. Und bleibe du an ihrer Seite. Lass uns füreinander da sein. Amen.“ Ach ja , heute oder morgen will Martha wieder ins Wasser. Ich gehe natürlich mit! Also – bis zum Rand. Und halte die Kamera!

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald

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