Es hätte das große Festwochenende werden können für die Feuerwehren und für die Bevölkerung. Biike an einem Sonntag – das passt doch eigentlich ganz gut. Und zudem bei recht frühlingshaften Temperaturen, bei denen man noch Glühwein, aber auch schon ein kühles Bier verzehren kann. Um ein wärmendes Feuer versammelt. Es sollte anders kommen. In diesem Jahr finden die Biike höchstens digital statt. Vielleicht aber wird ganz oft zu Hause in Erinnerungen geschwelgt: an vergangene Biiken. An Menschen, die sich dort verliebt haben. Kumpels von der Schule wieder trafen. An Aufbruchsstimmung nach dem langen Winter. Vorfreude auf den Frühling. –

Ich habe Biike vor zwei Jahren erst kennengelernt. Ich reiste einmal quer durch meine Gemeinden und hatte dabei doch eine wichtige Biike verpasst – nämlich die im Lübke-Koog! Dort durfte ich dann letztes Jahr das traditionelle und sehr gesellige Grünkohlessen miterleben. Inzwischen habe ich erzählt bekommen von der geheimnisumwitterten Geschichte der Biike: war sie nun ein reines Vertreiben von Schadensgeistern am Ende des Winters, wie ich das in der Pfalz beim Frühlingsfest Laetare ganz ähnlich kennenlernen durfte? Oder war es eben zugleich das große Aufbruchsfest für die Walfänger, denen die Feuer auf den friesischen Inseln und an der Küste Geleit geben sollten? Unbestritten ist zumindest, dass der 22. Februar im Mittelalter als Petritag begangen wurde: ab diesem Tag war die am Martinstag (11.11.) in den Hansestädten eingestellte Schifffahrt wieder erlaubt. Laut alter Legende soll an einem 22. Februar der Apostel Petrus nach siebenjähriger Gefangenschaft in Antiochia, dem heutigen Antalya, freigelassen und als Bischof der dortigen Gemeinde eingesetzt worden sein. Die Gemeinde traf sich in einer heute noch erhaltenen Grotte oberhalb der Stadt, die als die älteste christliche Kirche gilt. Im Mittelalter wurde dieser Tag immer besonders gefeiert und bald auch zu einem Aufbruchsfest für die Fischer erklärt, die in Petrus ihren Schutzpatron haben. – Vermutlich ist es bei der Biike wie bei vielen unserer Feste: dass sie heidnischen Ursprung hat und später dann christlich neu interpretiert wurde. Auf jeden Fall ist es ein besonderes Fest hier im Norden, das Menschen – wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht – zur Geselligkeit zusammenführt und die Vorfreude auf den Frühling fördert. Und machen lädt Biike ein über eigene Aufbrüche im Leben nachzudenken: was liegt bei Dir gerade an? Zu welchem Aufbruch brauchst Du gerade Mut und Zuspruch? Was gilt es Neues zu wagen? Oder wo gilt es lieber weiter im sicheren Hafen zu verweilen? Wir als Kirchengemeinden stehen genau vor diesen Fragen: In dieser Coronazeit müssen wir ganz neu Kirche lernen: wo Gotteshäuser geschlossen sind und Gemeindeveranstaltungen nicht wie gewohnt stattfinden können, fühlen sich Menschen ganz neu von Gott losgeschickt Menschen dort aufzusuchen und abzuholen, wo sie gerade sind, mit allem Abstand, aber doch mit ganz viel Kreativität: mit Andachten, an den Haustüren verteilt, mit kleinen Überraschungstüten, mit Telefonaten und digitalen Angeboten, mit Einkaufshilfen und Unterstützungsangeboten. Gott war schon immer so: nicht abwartend, bis wir zu ihm kommen, sondern er selber: auf dem Weg zu uns Menschen! Dass wir alle im Glauben einen sicheren Hafen finden um Stürmen und Nöten zu trotzen. Und dass der Glaube uns zugleich auch hilft Anker zu lichten und aufzubrechen, wo Gott mit uns Neues vorhat. Das wünsche ich uns allen zu diesem Biikefest. – Gerade traf ich einen lieben Bekannten, der als Selbstständiger im Hotelfach genug Sorgen zu tragen hat, aber trotzdem entschlossen Weichen stellt für einen neuen Anfang und sich nicht die Zuversicht nehmen lässt. Lasst uns beten: „Gott. Wir denken an alle, die momentan nicht arbeiten können, ihre Geschäfte, in denen viel Herzblut steckt, nicht nachgehen dürfen und nicht wissen, wie lange sie so noch durchhalten. Gib ihnen Kraft, Hoffnung, Zuversicht, Ideen – und vor allem lass sie Unterstützung erfahren, staatliche Hilfen, aber auch Unterstützung ihres gesellschaftlichen Umfeldes. Ihre Geschäfte, Gaststätten, Betriebe geben unserem Leben viel Freude. Hilf uns gemeinsam diese Pandemie durchzustehen. Amen.“ – Bleibt behütet!

Euer Pastor Gerald

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Das Foto ist von Sigrid Brandenburg, Galmsbüller Biike 2018