Heute ist es soweit! Ich bin schon ganz aufgeregt! So lange habe ich darauf gewartet. Sehnsüchtig! Früher war das so selbstverständlich, zack, hin, viertel Stunde wieder draußen, alles war gut. Aber jetzt ist es fast schon ein bisschen Himmel auf Erden. Ein Königreich für diesen Termin! Mir ist ganz feierlich zumute! – Wie, meint ihr? Impfen? Nein, ich bin natürlich noch nicht dran mit einem Impftermin. Ja, den Termin sehnen wir auch alle herbei, wenn das endlich geschafft ist und wir mit etwas mehr Leichtigkeit und weniger Angst uns anzustecken oder andere anzustecken in unseren Alltag aufbrechen können. Aber heute habe ich den anderen von den beiden momentan so heißbegehrten Terminen ergattert: den bei meiner Lieblingsfriseurin!

Es wird aber auch so was von Zeit. Wenn morgens einer unserer Hunde an der Tür steht und raus will. Und ich kaum hinterher komme, noch halb im Schlafanzug, schlaftrunken zur Tür springe. Früher reichte es da schnell eine Jacke überzuwerfen und die Runde Gassi übers Grundstück Richtung Feld zu drehen, in der Hoffnung, dass mich nicht allzuviele in diesem Outfit sehen. Jetzt aber muss ich immer erst ins Bad, Blick in den Spiegel, und versuchen irgendwie meine Haare provisorisch zu bändigen oder wenigstens irgendeine Kopfbedeckung zu finden, denn so, ehrlich, kann ich doch nicht unter die Leute! Die würden ja einen Schreck bekommen, welcher Wilder da gerade in Emmelsbüll losgelassen ist! Alle Haare stehen in alle Himmelsrichtungen ab! Und wenn dann noch wie am Wochenende etwas mehr Wind geht, da muss ich müsste ich ja fürchten, meine wilde Matte da auf dem Kopf wird zum Hubschrauber-Propeller, und ich hebe ab! Heute ist es also so weit. Die letzten Wochen habe ich manchmal morgens schon im Bad gestanden und versucht mit meiner Bastelschere die ungestümtesten der Haarwirbel etwas zu kürzen. Gar nicht so leicht, das alleine hinzubekommen!!! Viel geholfen hat es nicht. Aber es hat die Vorfreude auf den heutigen Tag nur noch mehr gesteigert! Und welch Erfolgserlebnis erwartet mich am Samstag, wenn ich dann mal wieder wie jede Woche auf die Personenwaage steige. Die letzten Male zeigte der Zeiger doch beängstigende Ausschläge, und ich dachte erst, es läge an dem fehlenden Sport in dieser ganzen Coronazeit, aber dann fiel mir ein: das liegt bestimmt an den Haaren! Na ja, in der Menge, wie sie jetzt zusammengekommen sind, können die schon einige Pfunde ausmachen, oder was denkt ihr? – Gestern bin ich schon mal pro forma am Frisörladen vorbeigefahren, alles offen, Licht an: ich war beruhigt: da müsste heute alles klappen! - Meine Küsterin hatte mir schon am Freitag erzählt, dass sie beim Frisör war, und ich hatte es nicht einmal registriert! Kein Wunder, mit den langen Haaren, die mir momentan ins Gesicht, fallen, und dann noch die Mund-Nasen-Bedeckung übergezogen, da bleiben von meinem Gesicht ja nur noch ein paar Sehschlitze frei, und die müssen sich erst durch die beschlagene Brille hindurchkämpfen! Da sieht man nur die Hälfte, und die entscheidenden Veränderungen an anderen eben nicht! Heute wird alles anders. Es wird sich sicher im ersten Moment ganz schön frisch am Kopf sein, nach dem Termin, das bin ich gar nicht mehr gewohnt, gerade jetzt soll es ja noch mal kalt werden! Aber es wird ein herrliches Gefühl sein. Vielleicht gelingt es mir sogar mit dem neuen Haarschnitt Einspruch gegen das Blitzerfoto einzulegen, das letzten Dienstag von mir geschossen wurde. Der Beatle, der da am Steuer zu sehen ist, das kann ich nun aber wirklich nicht gewesen sein, könnte ich sagen, vielleicht hilft es ja! – So , jetzt muss ich mich aber langsam auf den Termin um 14.00 Uhr innerlich vorbereiten, ihr habt da sicher Verständnis! Und meint jetzt nicht, dass ich eitel wäre. Auch von Paulus in der Bibel wird berichtet, wie er nach längerer Zeit endlich einen Frisörtermin wahrnahm. Hättet ihr nicht gedacht, dass so etwas in der Bibel steht, oder? So wichtig ist das Haareschneiden! Damals gab es keine Coronapandemie, aber Paulus hatte ein Gelübde abgelegt, dass eine längere Zeit sein Haupthaar keine Schere und kein Messer sehen soll. Es war wohl ein Dankgelübde, weil Gott ihn in einer schweren Gefahr bewahrt hat. Um so größer war dann aber seine Erleichterung, als diese Zeit um war und er endlich wieder seine Haare schneiden lassen konnte. In Kenchreä auf seiner zweiten Missionsreise ging er zum Frisör. Ihr könnt es nachlesen in Apostelgeschichte 18,18. Heute ist es so weit. Der Dank geht an euch, liebe Friseurinnen und Friseure, für euren Dienst. Euer Durchhalten, als ihr so lange schließen musstet. Schön, dass ihr wieder da seid. Gott behüte euch und alle, die in diesen Pandemiezeiten durchhalten müssen. Ihr seid vielleicht nicht in der ersten Reihe der Systemrelevanten, aber ihr seid wohlbefindensrelevant. Wie die Kultur, die Gaststätten und so viele andere auch, die in dieser Coronazeit so gebeutelt sind. Gott helfe euch durchzuhalten und lasse uns Kundinnen und Kunden euch nie vergessen, sondern wertschätzen! Ihr seid es wert! Und wenn ihr oder andere gerade ganz schön durchhängen, gebe ich euch noch die Tageslosung weiter: „Wenn ich auch im Finstern sitze, so ist doch der Herr mein Licht!“ Micha 7,8.

Bleibt alle behütet! Euer Pastor Gerald

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