War das schön! Gestern mal wieder Gottesdienste zu feiern, an denen auch Gemeinde vor Ort vertreten war. Einige kamen nach Horsbüll, andere nach Emmelsbüll. Sogar einige meiner Konfirmanden waren dabei. Und ich musste mich erst mal orientieren: mal nicht allein in die Kamera schauen, die ja auch mitlief, sondern zu den Menschen, die da waren. –

Eine Frau sprach mich am Ausgang an. Sie kam von auswärts, aber wollte nach längerer Zeit mal wieder die Horsbüller Kirche besuchen, mit der sie manche Erinnerungen aus früherer Zeit verbindet. Sie hatte die ganze Zeit sehnsüchtig gewartet, wann die Kirche mal wieder offen ist! – Wir müssen abwarten, wie die Lage sich nun weiterentwickelt, wo überall die Infektionszahlen wieder steigen. Aber der Sonntag führte mir klar vor Augen, dass Kirchen für manch Menschen auch echte Orte der Sehnsucht und der Hoffnung sind, gerade in schwierigen Zeiten. Und dass digitale Angebote das Aufsuchen so eines Ortes und das Erleben eines Gottesdienstes in Gemeinschaft nicht einfach ersetzen. Im Gottesdienst haben wir dann auch jene Mathematikaufgabe gelöst, die das Schachspiel betraf: Jener Sissa ibn Dahir, der das Schachspiel in Indien erfunden haben soll und als Belohnung für die Erfindung seinen König bat, ihm auf das erste Feld des Schachspiels ein Weizenkorn, auf das zweite zwei, auf das dritte vier und dann jeweils immer den doppelten Anteil des vorigen Feldes zu legen. Dem König erschien das etwas Geringes – aber seine Rechenmeister brauchten sehr lange, bis sie ausgerechnet hatten, wie viele Körner benötigt würden: Auf allen 64 Schachbrettfeldern müssten über 18 Trillionen Weizenkörner verteilt werden! An Gewicht wären das 922 Milliarden Tonnen, und wenn der Weizen mit Lastwagen transportiert werden sollte mit einer Nutzlast von 8840 Tonnen und einer Länge von 7,6 Metern pro LKW, bräuchte man 104 Milliarden Transporter, die, Stoßstange an Stoßstange stehend, 793 Millionen Kilometer an Strecke beanspruchen würden. Das wiederum wären ca. 20.000 Erdumdrehungen oder 5,3 mal die Entfernung von der Erde zur Sonne. Puh, jetzt ist mir schwindlig von diesen Zahlen, die ich aus dem Internet habe…Und was das in Eisenbahnladungen macht, dazu hat Henning ja schon geschrieben, danke, lieber Henning 😊 Und es fing alles an mit einem Weizenkorn auf dem ersten Schachbrettfeld und der doppelten Menge auf dem zweiten. Und daraus wird so ein großes Resultat! Jesus betont in der Bibel so oft: alles beginnt klein. Aus einem Senfkorn wird ein großer Baum. Ein bisschen Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig. Ein erster Anfang verändert die Welt. So baut Gott sein Reich. Wir alle fühlen uns oft genug klein und denken: Ich kann doch nichts Großes bewirken. Aber wenn jeder jemand anderen ansteckt mit Leidenschaft, Liebe, Glaube, Hoffnung, und jeder seinerseits das dann genauso weitergibt, entsteht ganz viel! Manchmal kann ein Lächeln, das du aussendest, jemand anderem den Tag retten. Ein Anruf für jemanden der Höhepunkt des Wochenendes sein. Deine Geldspende kann genau der Betrag sein, der zu einem großen Projekt noch fehlt. Und ein Gebet kann dir oder für den, für den du betest, kann jemandem den Himmel öffnen. Ich wünsche uns einen Blick für die kleinen Zeichen am Wegrand. Und das Vertrauen, dass aus einem ersten Anfang mit Gottes Hilfe so viel mehr wird, als wir uns vorstellen können! „Komm, folge mir nach“, sagt Jesus am See Genezareth, zu einem Fischer. Dass du heute an Jesus glaubst. Nahm damals seinen Anfang!

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald

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Foto: Klein ist ein Legostein - aber aus vielen kann man super Sachen machen. Foto von einer Ausstellung auf Usedom vor einigen Jahren