Gestern begann die fünfte Woche der Passionszeit. In der Aktion: Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden steht die Titelgeschichte unter der Überschrift: „Geht doch!“ Sie führt uns weit zurück in die frühen Geschichten der Bibel. Abraham ist im weit vorgerückten Alter von 75 Jahren mit seiner Ehefrau Sarah von Gott gerufen worden: seine Heimat zu verlassen und dorthin zu ziehen, wo Gott ihn haben will. Die beiden Eheleute neben Lot, ihren Neffen, mit auf die weite Reise.

Sie kommen im verheißenen Land Kanaan an und zogen dort als Nomaden umher, immer auf der Suche nach guten Weideplätzen für ihr Vieh. Denn sie hatten eigene Herden von Schafen und Rindern und Hirten, die sie unterstützten. Aber es gab immer wieder Streit: Abrahams Herden stritten mit Lots Herden um die besten Weideplätze und vor allem um die Wasserstellen. Und darüber kamen sich auch Abraham und Lot selber in die Haare. Da fasst Abraham einen Entschluss: Es ist besser, wenn beide, Onkel und Neffe, von nun an getrennte Wege gehen. Das Land ist ja groß genug. Jeder möge doch mit seinen Herden in getrennte Richtungen weiterziehen. Leicht ist Abraham diese Entscheidung wohl nicht gefallen: hatte er doch schon seine vertraute Heimat aufgegeben und viele Freunde und bestimmt auch weitere Familie dort zurückgelassen. Und nun geht sein Weg auch mit Lot nicht mehr weiter. Aber manchmal ist es gut sich zu trennen: wenn das Zusammenleben nur noch anstrengend ist und einfach nicht funktioniert. Sich im Guten trennen, bevor man sich nur noch in Streit und irgendwann vielleicht sogar Hass und Feindschaft verrennt. Abraham lässt Lot wählen. Kein: Ich entscheide und teile dir zu, was ich nicht will. Sondern eine großherzige Geste: Wähle du! Willst du das Land zur Linken oder zur Rechten in Besitz nehmen? Lot entscheidet sich für das Land am Jordan. Eine gute Wahl für Lot, denn dieses Land ist wasserreich. Abraham dagegen bricht in die unwirtliche Wüstengegend auf. Aber er tut es mit Erleichterung: Kein Streit mehr. Kein ewiger Kleinkrieg um Essen und Ertrag. Und – das kann er zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen: während Lots Wahl der Gegend um Sodom und Gomorrha Lot bald massive Schwierigkeiten und Herzeleid einbringt, bricht Abraham auf in das Land der Verheißung! „Geht doch“ ist die Überschrift der Geschichte. Erst einmal heißt sie: Geh doch! Manchmal geht es so nicht weiter. Manchmal muss man sich trennen, bevor man sich das Leben zur Hölle macht. Das ist immer mit Schmerz verbunden. Aber kostbar, wenn man eine gute Lösung findet. Vielleicht ist es der eine, der dann mehr nachgibt als die andere: Wähle du! Aber so können sich beide Seiten weiter unter die Augen treten. Das Leben wird dadurch in der Organisation vielleicht sehr viel komplizierter. Aber die Lebensfreude kehrt zurück. Manchmal geht es nicht weiter in der Ehe. Ja, wir hatten uns doch Treue versprochen. Aber wenn der Alltag nur noch mit Verletzungen und Zerwürfnissen einhergeht. Dann bringt es auch nichts um der Kinder willen auf heile Welt zu machen. Eine Trennung, bei der man das Wohl des anderen nicht aus den Augen verliert, kann die Weichen auf eine bessere Zukunft stellen. Manchmal muss man sich trennen. Brechen Kinder auf, weg von ihren Eltern, weil es zusammen nicht funktioniert. Gehen Freunde auf einmal getrennte Wege, ohne zu vergessen, welch gute gemeinsame Zeit sie miteinander hatten. – Schlimm dagegen ist es, wenn der Kleinkrieg mit der Trennung weiter eskaliert. Wenn man jemand, der einem einmal viel bedeutet hat, nicht mehr sehen will, nur noch schlecht macht, alle möglichen Steine in den Weg wirft. Auf die Weise kommt man gerade nicht voneinander los und kann die Freiheit eines Neuanfangs nicht genießen. – Abraham und Lot finden einen Weg. Obwohl sie keine Geschwister, sondern Onkel und Neffe sind, endet ihr gemeinsamer Weg mit dem Satz: „Also trennte sich ein Bruder von dem andern.“ (1. Mose 13,11). In der Art, wie sie eine gütliche Trennung hinbekamen, zeigt sich, dass sie von der Gesinnung wie Brüder sind: fürsorglich füreinander, auch wenn man getrennte Wege geht. So wünscht sich Gott unser Miteinander. – Leider habe ich mit meiner Schwester keinen großen Kontakt mehr. Das ist eine lange Geschichte. Irgendwann ging es uns besser, als wir getrennte Wege gingen. Ich bin nur froh, dass wir uns bei meinen Eltern begegnen und dann auch vernünftig miteinander umgehen können. Manchmal kriegen es auch leibliche Geschwister nicht besser miteinander hin…Das ist schade! Umso kostbarer ist, wenn dann Freunde wie Geschwister füreinander werden können! Behaltet die im Herzen, von denen ihr euch irgendwann getrennt habt. Und seid dankbar für die, die um euch sind. Gott freut sich daran, wenn es uns gelingt wie Brüder und Schwestern miteinander umzugehen!

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald

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