Es wird gesungen: wenn die Not überstanden ist und die Freude sich Bahn bricht: „Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt“, singt Miriam, Moses Schwester, nachdem die Flucht des unterdrückten Volkes Israel gelang und ihre bewaffneten Verfolger im Meer ertranken (2. Mose 15). Es wird gesungen bei Festlichkeiten, wenn ein großes Ziel erreicht ist, und der Regierungschef geht singend und tanzend vorneweg: so wird es erzählt, als die Stadt Jerusalem von König David erobert wurde und Einzug gehalten wurde mit der Bundeslade, jener Truhe mit den heiligen Tafeln der 10 Gebote (2. Samuel 6). Es wird gesungen: ein Lied voll Gesellschaftskritik, ein Lied, das Menschen wachrütteln soll ihr Verhalten zu verändern: so tut es Jesaja auf dem Marktplatz, als er von einem Weinberg singt, der keine Trauben trägt, und dabei sein Volk meint, das keine Früchte der Liebe bringt (Jesaja 5)

Es wird ja wirklich Zeit! Ich meine: dass die Bundesliga wieder startet! Ist doch mal eine Abwechslung nach all den Corona-Talkshows mit den Dauerteilnehmenden Markus Söder oder Armin Laschet oder Karl Lauterbach und den etwas trostlosen Quiz- oder Let´s-Dance-Finalrunden ohne Zuschauer: endlich mal wieder zweiundzwanzig schwitzenden Mannsbilder einem Fußball hinterher hecheln zu sehen und in Torjubelexstase zu verfallen! Endlich gibt es bei den Telefonaten mit der Familie oder den Gesprächen über den Gartenzaun mit Zwei-Meter-Mindestabstand wieder ein richtiges Thema: statt ständig über die schlechte Internetverbindung beim letzten Homeoffice zu klagen oder die neuesten Verschwörungsthesen über Corona oder den Ärger über den abgesagten Sommerurlaub zu artikulieren.

106. Geburtstag in Nordfriesland! Was für ein besonderer Ehrentag! Wem ist es schon vergönnt einen solchen Tag erleben zu dürfen! Nur das Mitfeiern der Familie ist nicht auf herkömmliche Art möglich, wenn das Geburtstagskind im Pflegeheim ist – in Zeiten von Corona. Doch die Familie ließ sich etwas einfallen. Punkt 11.00 Uhr wartete die Jubilarin sehnsüchtig im Speisesaal nahe der Eingangstür zum Heim. Und dann kam sie – ihre Familie: Kinder, Enkel, Urenkel. Stellten sich vor dem Eingang auf. Sangen ihr ein Lied. Winkten ihr zu. Und sie winkte mit Tränen in den Augen zurück!

Gestern stand der Pastor kopf und quer, und etliche verspürten nach dem „Besuch“ unseres Onlinegottesdienstes Kreuz –und Nackenbeschwerden, mussten sie doch permanent in 90-Grad-Winkel zwischen Kopf-Nacken und Rumpf verharren, um den Pastor in halbwegs aufrechter Haltung anschauen zu können! Und dann verlangte auch noch der Hörsinn gestern vielen alles ab, weil die Lautstärke und das Hallen in der Kirche keinen wirklichen Ohrenschmaus bereiteten. Da riss es dann nur das Orgelspiel von Jorge heraus – und die vielen Gesichter in der Kirche, die dank der Zeichnungen und Porträts von Kindern und Erwachsenen unsere Kirchenbänke in Neugalmsbüll bevölkerten!

Erinnerungen wurden wach an meine erste eigene Pfarrstelle im Vogelsberg in Hessen damals. Am 30. April gab es Maifeuer, von den Burschenschaften betreut. Jeder Ort hatte sein eigenes Feuer, und es entwickelte sich zu einem Wettbewerb der Burschenschaften untereinander das Maifeier der Nachbargemeinde schon einen Abend vorher heimlich anzuzünden. Das zu verhindern, wurden Nachtwachen aufgestellt. Aber wehe, wenn diese zu sehr dem Alkohol zusprachen oder im Laufe der Nacht einschliefen und die feindliche Attacke auf das eigene Feuer so buchstäblich verschliefen! Welche Enttäuschung für die Kids vor allem bedeutete es, wenn das Maifeuer, auf dass sich so lange gefreut wurde, ausfallen musste, weil es schon abgefackelt war!

Es war im März eine der ersten Trauerfeiern, die ich zu halten hatte unter den neuen Corona-Bestimmungen. Der Familienvater war in einem Pflegeheim gestorben. Trotz der durch die Pandemie gegebenen schwierigen Situation war dieses Pflegeheim sehr rührig gewesen und ermöglichte der Familie – Ehefrau und Kindern - , jeden Tag für vier Stunden den Ehemann und Vater zu besuchen. Sie teilten sich auf, Ehefrau, Kinder, jede blieb täglich eine Stunde am Bett des Sterbenden. Eine ganz intensive, kostbare Zeit zum Abschiednehmen. Es gab eine Sicherheitsschleuse und Schutzkleidung. Und es funktionierte gut. An der Trauerfeier durfte wenigstens die Kernfamilie auch komplett teilnehmen. Der Verstorbene hatte Enkelkinder, die mit ihm zeitlebens eng verbunden waren und ihm viel zu verdanken hatten und es sich nicht nehmen lassen wollten ihn auf diesem letzten Gang zu begleiten. Der Bestatter hatte die Urne im Kofferraum seines Autos aufgebaut und das Drumherum so schön und feierlich aufgebaut, dass der Blick in den Laderaum wie der in eine kleine Kapelle war.