Habt ihr gestern auch wieder welche gesehen? Welche von diesen – ja momentan so vermehrt auftretenden Wesen aus der Population der CE? Sie sind mitunter kamerascheu und müssen nicht in Zeitungen oder Nachrichtensendungen groß erwähnt werden. Sie legen darauf gar keinen Wert. Sie sind einfach da: als Mensch unter Menschen oder als Engel unter Menschen. CE - die Corona-Engel? Sie waren ja auch schon vor Corona da, aber in diesen momentanen Zeiten fallen sie uns noch mehr ins Auge und ist ihr Dasein einfach eine Augenweide, weil sie uns so gut tun?! Es gibt sie in Pflegeheimen und Einkaufsmärkten, es gibt sie an der Schule und bei der Feuerwehr und Polizei, es gibt sie im Rathaus und in der Nachbarschaft. Und manchmal ist man mit ihnen einen halben Tag unterwegs – welch ein Geschenk!

Ein Montag im Pastorat im Zeichen von Corona. 7.30 Uhr. Unser Boxerhund weckt mich in seiner überschwänglichen Art. Jetzt gibt es kein Vertun mehr. Aber immerhin eine Stunde später als sonst, wenn die Kids mit dem Bus in die Schule müssen! Das etwas längere Schlafen genießen wir in diesen Coronazeiten sehr! Also mit den Hunden raus, Frühstück, Zeitung lesen. Die ersten Emails kommen. Rückblende auf den Gottesdienst gestern. Die Windgeräusche auf der Schafweide waren ganz schön laut. Ein anderes Mikro, eine Verbesserung der Technik? Unser rühriges Team um Sigrid und Jorge sind bereits am Tüfteln. Ich versuche mich dieweil im Schreiben einer ersten Hygieneordnung für den Fall, dass wir in unseren Kirchen wieder Gottesdienste feiern dürfen. Wie viele Personen dürfen denn maximal in unsere Emmelsbüller Kirche um allen Abstand einzuhalten?

Gestern hätten sie Vorstellungsgottesdienst gehabt. Die erste Probe in der Kirche für diesen Gottesdienst fand im März gerade noch statt – einen Tag später war dann klar, dass in der folgenden Woche die Schulen geschlossen bleiben und damit auch erst einmal nicht mehr an Konfirmandenunterricht zu denken ist. Kommenden Sonntag wäre die erste Gruppe unserer Konfirmandinnen und Konfirmanden mit ihrer Konfirmation an der Reihe gewesen! Jetzt haben wir erst einmal den Vorstellungsgottesdienst in den Juni und die Konfirmationen in den September gelegt, wohl wissend, dass auch das noch nicht gesichert ist.

Als ich am Donnerstag Nachmittag in Klanxbüll zum Seniorenheim Nis Puk kam, um dort für die Bewohnerinnen und Bewohner eine Andacht für den nächsten Tag als Kopie hereinzureichen – Gottesdienst zu halten ist ja noch immer nicht möglich – sah ich etwas eigentlich ganz Normales, zugleich aber doch sehr Besonderes und unheimlich Schönes: Hinter der Absperrung saßen vor dem Eingang einige Heimbewohner draußen in der Sonne, natürlich in entsprechendem Abstand zueinander, und lauschten: Livemusik. Zwei Musiker an Gitarre und Keyboard spielten und sangen wunderschöne alte Schlager.

The Masked Singer geht ins Finale. Ziel ist es so lange wie möglich die Maske aufzubehalten. Wer das am längsten darf, hat gewonnen! Wer hätte gedacht, dass dieses Sendeformat von Pro 7 einmal exakt die Wirklichkeit in unserem Land abbildet! Während dort nächste Woche die letzte Maske fällt, kommt bei uns in Schleswig-Holstein die Maskenpflicht! Ich muss mal ehrlich gestehen, ich war kein Vorbild bisher und eigentlich ganz froh, dass wir sie so lange hier noch nicht hatten. Denn, ja, das klingt jetzt vielleicht komisch, aber irgendwie fand ich den Anblick immer etwas beängstigend, wenn mir Menschen mit solchen Masken begegneten.

50 Meter bis zum Paradies! Dass es in Deutschland für viele Dinge genaue Gesetzesregelungen gibt, ist ja bekannt. Die Corona-Zeit bringt dabei noch ein paar besondere Stilblüten hervor. So gibt es eine „Speiseeis-Abstandsgebot-Schleckverordnung“, kurz SASV genannt (na ja, die Bezeichnung und die Abkürzung habe ich mir ausgedacht, aber vielleicht steht sie ja als solche wirklich im Gesetzbuch drinnen), nach der Eisdielen zwar Eis zum Mitnehmen verkaufen dürfen, dieses aber wirklich auch „mitzunehmen“ ist, und zwar mindestens 50 Meter, bevor man sich an den Verzehr desselben macht. Wer dies an Tagen wie dem heutigen bei strahlendem Sonnenschein einmal selber ausprobieren will: es ist eine gleich in dreifacher Hinsicht große Herausforderung für den eisschleckenden Kunden, die eisschleckende Kundin.