1+1+1= 1. Sie ist schon etwas eigenwillig, die Mathematik unseres christlichen Glaubens. Herkömmliche Taschenrechner sind damit völlig überfordert, und unsere Kopfrechenkünste bringen uns auch nicht wirklich voran. 1+1+1=1. Wer liebt, der wiegt dagegen bedächtig den Kopf: Na ja. Das ist schon mal so. Dass zwei, die sich lieben, so sehr miteinander verschmelzen, dass sie sich eins fühlen, auch wenn sie noch immer zwei sind. Und in einer Familie, die ganz eng zusammenhält und über Höhen und Tiefen und viele Herausforderungen des Lebens nur noch mehr zusammengerückt ist, sind dann womöglich sogar drei oder vier wie eins…- Und das ist wohl genau der richtige Ansatz um auch die besondere Mathematik unseres Glaubens zu verstehen.

Wie hätte es der liebe Gott mit Pfingsten eigentlich heute, in dieser Corona-Zeit bewerkstelligt? Ob Jesus dann auch seine Jüngerinnen und Jünger aus nächster Nähe angeblasen hätte um ihnen so den heiligen Geist zu schenken? Ob in Jerusalem dann auch tausende Menschen zusammengestürmt wären, alle Abstandsregeln vergessend, und Petrus mal schnell 3000 Menschen auf einmal getauft hätte? Der Heilige Geist findet immer Wege zu uns Menschen – auch mit Mund-Nasen-Bedeckung und Mindestabstand! Und wir brauchen ihn heute ja nicht weniger als damals. Die Coronazeit hat Kirchen auch neue Wege geführt. Manche haben Neues ausprobiert und sich als Internetgemeinden neu gefunden. Und andere haben bewährte Wege neu entdeckt, fingen an Briefe zu schreiben, Menschen in Pflegeheimen anzurufen, Predigten in die Häuser zu bringen oder Kindern Kreide zu schenken für ein schönes, buntes Pfingstbild vor den Kirchen. Pfingsten geschieht auch heute. Und wir brauchen diesen Geist Gottes, der in der Bibel übrigens eigentlich sehr weiblich ist: die heilige Geistin: wir brauchen diesen Sturm, der Verkrustetes aufbricht und uns in unserem Leben und auch in unseren Gemeinden neue Wege gehen lässt. Wir brauchen die Kraft der Vergebung, in der ich Gottes Güte und Geduld mit mir erfahre und die mich milder sein lässt mit anderen. Wir brauchen die Trösterin, die mit uns kommt ins stille Kämmerlein, ihren Arm um uns legt und uns leise ins Ohr flüstert: Ich bin da, alles wird gut! Wir brauchen die Fürsprecherin, die sich vor uns stellt, zu uns hält, mit der ich mich nach draußen traue, auch wenn die Welt mir gerade noch so feindlich begegnet. Wir brauchen den Blick für die anderen und für einander, die Gemeinschaft im Glauben, die Gott uns schenken will. Wir brauchen das Feuer der Begeisterung, das uns Feuer und Flamme sein lässt für dieses Leben und für Gott – wenn wir diese Begeisterung einfach weitertragen könnten! Wir brauchen Gott, der so am Wirken ist, mitten unter uns, und genau das beschreibt ja die Rede vom heiligen Geist: Gott in Aktion, heute, hier, bei dir und bei mir! Ich wünsche euch gesegnete Pfingsten. Und wer mag – vielleicht sehen wir uns in einem der Gottesdienste!

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald

Tat das gut! Nach Wochen der Absagen oder Aufschüben auf das kommende Jahr von Taufen, Hochzeiten, Konzerten, Festen hat es mich jetzt innerhalb von 24 Stunden gleich dreimal anders herum erreicht: erst kam eine Taufanmeldung für August, dann am Abend ein Taufgespräch für eine Taufe auf Südwesthörn im Juni und eben die erste Vorbesprechung für das Rausschmeißerfest in der Kita: Nur im kleinen Kreis in diesem Jahr, mit den Kindern, die in die Schule wechseln, aber eben doch mit Andacht und vor allem: dem Schubkarren-Rauswurf, von dem alle noch Jahre später träumen! – Da hat uns ganz viel Leben wieder, und das fühlt sich richtig gut an! Wir können nicht alles verschieben oder ausfallen lassen – umso dringlicher ist es dann, andere, „coronagerechtere Formen zu entwickeln! Unsere Kita ist da mit einem tollen Team und tollen Eltern gut vorangekommen. Der Plan stand jetzt bis zu den Ferien, dass aus zwei Gruppen vier kleinere Gruppen wurden, die im Wechsel, immer zwei pro Woche, jetzt wieder in die Kita kommen dürfen.

Also, ich mag den Föderalismus! Er hat so etwas Ur-Protestantisches. Ich meine – wenn mich jemand fragt: Was sagt die Kirche zu diesem oder jenem Thema? Dann komme ich immer ins Schwitzen, und ich schwitze gerne, weil: D i e Kirche sagt da immer gar nichts. Der EKD-Vorsitzende hat eine Meinung, und die Bischöfin und der Superintendent und die Pastorin und das Gemeindeglied – und wenn sie dabei dann noch auf die Bibel in ihren zentralen Inhalten verweisen können, sind das alles, so verschieden sie sein mögen, diskussionswürdige Positionen, und dann muss jede Glaubende, jeder Glaubende sich ein eigenes Urteil bilden. So ist das eben gut evangelisch.

Bunt soll Nordfriesland werden. Also, bunt ist es ja schon, die Sonne scheint goldgelb, der Himmel ist himmelblau und manchmal auch grau, weiße und schwarze Schafe stehen am Deich, silberfarbene Windräder drehen sich unentwegt, goldgelbener Köm funkelt im Glas, roter Backstein und dunkles Reet, grüne Wiesen locken zum Rasten, und bei dem Wettermischmasch scheint auch immer mal ein bunter Regenbogen auf. Bunt ist es schon, und jetzt soll es noch bunter werden: unsere Plätze und Straßen sollen bunt erstrahlen. Weil Gott es bunt liebt, die Menschen ganz bunt geschaffen hat, weil er Vielfalt mag und eine Kirche, die viel vom Regenbogen widerstrahlen möge und in der die Menschen, so verschieden und bunt sie sind, ihren Platz finden und der Heilige Geist, so vielfältige Ideen und Anregungen er uns geben will, sich frei entfalten kann

War das besonders gestern! Wie ein Revival aus einer längst vergangenen Zeit, nur noch schöner! Wir durften gestern Gottesdienst feiern – ich meine, ja: Gottesdienst, so ohne eine dreiviertel Stunde mit dem Mundschutz zu kämpfen, der einem das Atmen schwer macht, denn bei Open-Air-Gottesdiensten besteht keine Mundschutzpflicht mehr, wenn die Abstände eingehalten werden können. Und wir durften: mitsingen – also nicht einfach innerlich, mit dem Herzen, auch nicht einfach mitsummen unter besagtem Schnutenpulli, auch nicht nur Playback ohne Ton, nein, mit richtigem Auf- und Zumachen des Mundes und Herauslassen der Töne. Richtig ungewohnt war das, und wir wollten es auch nicht übertreiben, sangen leise mit, aber sangen eben: Wie lieblich ist der Maien. Oder: Geh aus mein Herz und suche Freud. Ja, es war Gottesdienst, wie wir ihn von früher her kannten, nur die Gartenstühle auf dem schönen Platz auf dem Neugalmsbüller Friedhof waren weiter auseinandergerückt, aber gerade so füllten sie den ganzen Platz dann auch aus.