Entschuldigt, heute morgen war hier ein Arbeitseinsatz, und ich hatte noch keinen Impuls geschrieben. Besondere Tage wirken nach: Osternacht in einer leeren Emmelsbüller Kirche, aber so engagiert von Küsterin Irene, Organist Kolle, Kirchengemeinderäten Volquart und Sigrid begleitet, und Tabea war auch mit. Doch, wir erlebten etwas von der Osterfreude, auch weil wir merkten: wir feiern nicht alleine für uns, sondern mit einer Gemeinde da draußen, die zugeschaltet ist oder im Lauf des Tages sich zuschaltet. Und Gott war dabei, bei jedem und jeder, egal, wie verstreut wir alle in unseren Stuben saßen!

Stiller Samstag – so wird dieser Karsamstag, der ja noch gar kein Ostersamstag, auch genannt. Damals für die Jüngerinnen und Jünger Jesu war das so. Ganz still. Es war Passah und Sabbat, zwei Anlässe zum Feiern – aber sie hatten sich verkrochen. Gleichsam freiwillig in Quarantäne begeben. Sie wollten niemanden um sich haben. Sie mussten die Bilder verarbeiten: Jesus am Kreuz – und wer vielleicht bis zuletzt gehofft hatte, Gott selber würde doch noch etwas tun, irgendwie von oben herab eingreifen, und Jesus würde wirklich vom Kreuz herabsteigen können! Aber nichts geschah: ein Schrei. Und das war das Ende.

Heute Abend laden wir wieder zum Onlinegottesdienst an Gründonnerstag ein.

Für jetzt aber - ein Gebet Von meiner früheren Kurskollegin in der Pfalz, Marianne Wagner, Oberkirchenrätin der Pfälzischen Protestantischen Landeskirche, erhielt ich dieses Gebet eines guten Freundes von ihr, der Pastor in Beirut im Libanon ist.

Gebet von Habib Badr:

Liebender Gott, in diesen schwierigen und herausfordernden Zeiten erheben unser Herz und unseren Verstand zu Dir und suchen Deine Gegenwart unter uns,

hier im Libanon und im Nahen Osten, in Europa, in Amerika und Asien, in jeder Ecke des Planeten, die du, Gott, erschaffen hast.

Gerade heute suchen wir nicht nur Deine Anwesenheit.

Ostern muss man suchen gehen! Ja, bei den Ostereiern ist das so – das gehörte dazu, die müssen gesucht werden. Auch in diesem Jahr. Gewiss, unsere Kinder sind schon längst Teens und ziemlich ausgewachsen, aber ein wenig Ostereier-Verstecken im Garten muss sein! Und ich freue mich auch jedes Jahr, wenn so ein Osternestchen mit süßem Inhalt nicht einfach schon fertig am Frühstückstisch steht, sondern erst einmal in Schränken, Kommoden oder draußen im Gartenhüttchen oder irgendwo gesucht werden muss … Was man bei so einer Suche alles findet, was ich schon lange vermisst hatte: ihr glaubt es nicht! Wobei meine Kinder mitunter da schon sehr gemeine Ideen hatten, um meinen Suchprozess in die Länge zu ziehen. Wichtig ist jedenfalls, dass ich vorher den Spaten verstecke, sonst muss ich noch den ganzen Garten umgraben auf der Suche … Also, zu Ostern gehört das Suchen.

Der Impuls für heute stammt wieder von Pfarrer Günter Hirt, Horsbüll, Pfr.i.R. und noch immer sehr aktiv in der katholischen Kirche und zugleich Begründer und Begleiter der Uganda-Lebenshaus-Arbeit:

„Wieder eine Nacht umsonst geplant und am Computer verbracht statt im Bett!“ so klagte kürzlich ein Ingenieur, der für das Uganda-Lebenshaus unentgeltlich Pläne für die zukunfts-trächtige Außenküche skizzierte. Dann die Nachricht, dass bestehende Bauteile nicht standhielten und alles wieder umgeplant werden müsse. Frustrierend! Umsonst? Nein, wenn wir vom Anliegen brennen, dass geholfen werden kann und muss. Wie viele Menschen planen für die Rettung aus der jetzigen Pandemie, wie viele Politiker wollen dem Drängen aus der Bevölkerung nachgeben und endlich Entwarnung geben zu all den Einschränkungen.

Gestern hat die eigentliche Karwoche begonnen. Die „stille Woche“ wird sie gerne genannt – aber dass sie so still wird, hätten wir alle vor einem Monat wohl noch nicht erwartet! Da wird man schon ganz schön sehnsuchtsvoll, wenn in den leeren Kirchen die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem gelesen wird: Menschen dicht an dicht gedrängt, jubelnd und feiernd. Jesus zum Greifen nahe. Keine Abstandsregeln. Keine Mengenbegrenzungen! Wer wollte, durfte herbeilaufen und diesen Einzug erleben.

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Und einmal mehr wurde mir bewusst, was wir für einen wunderbaren Gott verkündigen dürfen: Gott, der keinen Abstand hält. Keinen Gott der Philosophen, der irgendwo in den Weiten des Universums thront, sondern Gott – ganz nahe. Zum Greifen nahe.