Heute wie versprochen der zweite Teil der sonntäglichen Predigt - gehalten zur Melodie von „Blowing in the wind“. Danke an Ines Johannsen für ihr wunderbares Orgelspiel:

7) Gott, du mein Gott, du scheinst dieser Welt mit einem Mal so fern – und Jesus versprach uns doch: er ist alle Zeit für uns da?/ Hier ist so viel Leid, und Menschen sterben an dem Virus, und so ist es auf der ganzen Welt, und wir fragen bang: wie soll das mit dem Virus erst werden in armen Ländern, in Afrika! /Mit einem Mal merken wir Versäumnisse: wir haben uns viel zu wenig umeinander gekümmert, nahmen die Ungerechtigkeiten vor unserer Haustür und die Armut in der Welt kaum richtig wahr:/Doch in diesen Coronazeiten merken wir, wie verletzlich, wie machtlos, auch wie sterblich wir alle sind:. Und so kommen wir zu dir: Du bist doch unser Papa im Himmel, und jeder von uns dein Kind!

Die Predigt gestern zum Orgelspiel von „Blowing in the wind“ war daheim an den Smartphones nicht für alle gut zu verstehn. Darum schicke ich heute den ersten Teil der Predigt mit, und morgen kommt dann der zweite (ist hier in der Rubrik sonst bisschen lang mit einem Mal) – einfach noch mal zum Nachlesen, wer mag. Und habt dabei im Hintergrund die Melodie im Ohr: Blowing in the wind!

Bleibt behütet auch an diesem neuen Tag! Euer Pastor Gerald

1) Wie lang ist es her, dass du das Wort Corona noch nicht kanntest oder es nur als Fremdwort neben tausenden hast gehört?/Wie lang ist es her, dass kein Gedanke an Ansteckung deine Umarmungen mit lieben Menschen hat gestört?/Wie lang ist es her, dass du hinter der Theke deiner Gaststätte standest. Bereit für die 100 Gäste der Geburtstagsfeier: sie waren dir jeden Einsatz wert!/Die Antwort weiß vielleicht der Wind, doch deine Seufzer und Fragen haben jetzt ihre Zeit: Gott kommt zu dir in allen Schmerz und alle Einsamkeit.

Es war der erste Tag danach – nach der Kapitulation Deutschlands und damit auch dem Ende der NS-Schreckensherrschaft! Dass durch die Corona-Pandemie die Gedenkveranstaltungen nun so still, leise, ohne große Öffentlichkeit, ohne internationale Gäste, junge Menschen und Zeitzeugen stattfinden musste, ist sehr schade. Aber als ich gestern im Fernsehen den einsamen Trompetenspieler hörte und dann die Worte des Bundespräsidenten, dachte ich doch so bei mir, dass diese Art des Gedenkens dennoch sehr würdig war. Ein Tag der ganz leisen Töne. Da ist die Dankbarkeit, dass seit nunmehr 75 Jahren in Deutschland und Westeuropa kein Krieg mehr war.

Das Corona-Schätzchen – Habt ihr auch ein Corona-Schätzchen? Ach so, nein, da haben wir uns jetzt falsch verstanden, ich habe ungeschickt formuliert, ich wollte jetzt nicht Einblicke in heimliche Liebschaften gewinnen, die jetzt in dieser besonderen Zeit sich angebahnt haben … Gibt es so etwas überhaupt? Ist ja gar nicht so ganz einfach sich momentan kennenzulernen mit all den Abstandsgeboten und den Mund-Nasen-Bedeckungen, die Annäherungen jedweder Art risikoreich, vor allem aber auch schwierig machen. Die einen munkeln, die Zahl der Geburten könnte im nächsten Jahr deutlich höher liegen, denn was soll man abends machen, wenn man nicht zum xten Mal Markus Lanz oder Anne Will mit Gästen anschauen möchte, deren Gesichter und Stimmen uns durch die vielen Corona-Sendungen fast schon so vertraut sind als gehörten sie zur Familie.

Es wird gesungen: wenn die Not überstanden ist und die Freude sich Bahn bricht: „Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt“, singt Miriam, Moses Schwester, nachdem die Flucht des unterdrückten Volkes Israel gelang und ihre bewaffneten Verfolger im Meer ertranken (2. Mose 15). Es wird gesungen bei Festlichkeiten, wenn ein großes Ziel erreicht ist, und der Regierungschef geht singend und tanzend vorneweg: so wird es erzählt, als die Stadt Jerusalem von König David erobert wurde und Einzug gehalten wurde mit der Bundeslade, jener Truhe mit den heiligen Tafeln der 10 Gebote (2. Samuel 6). Es wird gesungen: ein Lied voll Gesellschaftskritik, ein Lied, das Menschen wachrütteln soll ihr Verhalten zu verändern: so tut es Jesaja auf dem Marktplatz, als er von einem Weinberg singt, der keine Trauben trägt, und dabei sein Volk meint, das keine Früchte der Liebe bringt (Jesaja 5)

Es wird ja wirklich Zeit! Ich meine: dass die Bundesliga wieder startet! Ist doch mal eine Abwechslung nach all den Corona-Talkshows mit den Dauerteilnehmenden Markus Söder oder Armin Laschet oder Karl Lauterbach und den etwas trostlosen Quiz- oder Let´s-Dance-Finalrunden ohne Zuschauer: endlich mal wieder zweiundzwanzig schwitzenden Mannsbilder einem Fußball hinterher hecheln zu sehen und in Torjubelexstase zu verfallen! Endlich gibt es bei den Telefonaten mit der Familie oder den Gesprächen über den Gartenzaun mit Zwei-Meter-Mindestabstand wieder ein richtiges Thema: statt ständig über die schlechte Internetverbindung beim letzten Homeoffice zu klagen oder die neuesten Verschwörungsthesen über Corona oder den Ärger über den abgesagten Sommerurlaub zu artikulieren.