Vorgestern Radtour mit meinen Mädels Richtung Südwesthörn. Dabei kamen wir auch an dieser Schafherde vorbei. Mutterschafe und ihre Lämmer. Wir mussten einfach einen Moment absteigen und zuschauen. Es sah so unbeschwert und idyllisch aus. Und hat uns doch in dieser Zeit wohl mehr berührt als sonst: Die Lämmer sprangen ausgelassen in die Höhe oder kuschelten sich an ihr Mutterschaf.90750345_113840860253629_2589927114132160512_o.jpg

Sie wissen nichts von den Sorgen der Menschenwelt um sie herum. Wir vergaßen diese Sorgen auch für einen Moment. Mal kein Corona. Einfach nur schauen, genießen, abschalten. Irgendwann stiegen wir wieder auf die Räder und fuhren weiter. „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater.“ Sagt Jesus im Johannesevangelium. Jesus ist wie ein treusorgender Hirte, der für seine Schafe sorgt. Die dürfen vertrauen – der Hirte macht das schon. Der sucht nach Weide und Wegen und Wasserstellen. So ist Jesus. Er ist uns nahe. Er zieht sich nicht von der Herde zurück. Er steht uns Menschenkindern bei. Auch in diesen besonderen Zeiten. Er weiß um unsere Sorgen und Gedanken, unser Bangen um liebe Angehörige, unseren sorgenvollen Blick Richtung eigene Zukunft. Er sieht, wie manche für die anderen einfach da sind, sich selbstlos einsetzen, bis an die Grenzen der eigenen Kraft. Er sieht andere, die langsam lernen: Hilfe zuzulassen. Nicht selber jetzt einkaufen zu müssen , wenn man Vorerkrankungen hat oder schon älter ist. Sondern sich helfen lassen, auch das ist Menschsein: Hilfe empfangen dürfen und sich dabei nicht als Last erleben, sondern noch immer als wertgeschätzter Teil unserer Gesellschaft, für den gesorgt wird, wie der Hirte für jedes seiner Schafe sorgt. Jesus sieht weiter. Er weiß, was noch alles auf uns zukommt. Er sieht sie aber auch schon, die Zeit nach Corona, von der wir jetzt nur vage träumen können. Aber mit ihm als Hirten an unserer Seite halten wir doch durch! Und wir sind nicht allein. Wir stehen als bedürftige Herde mit Abstand und doch verbunden da. Und schauen, so gut wie das jetzt geht, ganz besonders eine, einer nach dem andern. Haltet gut durch! Der gute Hirte sieht nach uns. Und manchmal schenkt er uns Augenblicke, da sind die Sorgen für einen Moment außen vor. Und wir genießen das Leben, das gerade jetzt ein besonders kostbares Geschenk ist. Wie wir vorgestern auf dem Weg Richtung Deich bei einer Herde Schafe.

Seid behütet! Euer Pastor Gerald

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„O Freunde, nicht diese Töne. Sondern lasst uns angenehmere anstimmen und freudenvollere.“ So fängt sie an, in der 9. Sinfonie von Beethoven, die Ode an die Freude. Gestern Abend wurde sie auf unzähligen Balkonen und Terrassen intoniert. Selbstständige Profimusikerinnen und -musiker, momentan ohne Aufträge, mischten sich genaus unter die Spielenden wie Hobbymusiker. Und andere machten einfach Türen und Fenster auf und lauschten. Mal für einen Moment kein Corona. Mal für einen Moment keine Sorgen und Klagen- sondern Freude. Mal für eine Moment etwas Europaumspannendes, wo derzeit jedes Land vielleicht viel zu sehr auf sich alleine gestellt ist und die Herausforderung durch Corona noch viel zu wenig als Herausforderung für Europa als ganzes gesehen wird und für die Welt. Ausgerechnet die Ode an die Freude, die Europahymne, wurde gespielt. Und mancher sprach vielleicht auch den Text leise mit: „Seid umschlungen, Millionen, dieser Kuss der ganzen Welt. Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.“

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In Zeiten, wo man sich besser nicht umarmen sollte, wurde ein musikalischer Kuss von einem zum anderen gesandt, virenfrei. Ein kostbares Zeichen der Verbundenheit. – An den liebenden Vater , die liebende Mutter, mit der Gott gestern im Predigttext bei Jesaja verglichen wurde, fällt uns momentan gar nicht so leicht zu glauben. Gott lässt das Virus nicht einfach zu. Und er vergräbt sich nicht hinter den Wolken. Er ist uns , sie ist uns sehr Ist mit uns in Quarantäne. Ist bei uns, wenn es ärztliche Hilfe nicht mehr gibt. Stärkt Ärztinnen und Pfleger, dass sie die Arbeitsbelastung schaffen. Schenkt Forschenden Ideen, wie das Virus in den Griff zu kriegen ist. Ist der Anruf, der die Einsame erreicht. Nicht hinter den Sternen. Mitten unter uns, in uns, wohnt der liebende Gott. Du kannst ihn heute zu den Menschen bringen!

Seid gesegnet! Euer Pastor Gerald

Also, dass ich einmal erleichtert auf einen Arbeitstag schauen würde, an dem zwei Taufen und eine Trauung erst einmal abgesagt und alle Konfirmationsgottesdienste verschoben wurden, hätte ich vor wenigen Wochen nicht gedacht …

Es sind Corona-Zeiten. Und es hat mich berührt, wie schnell sich in unseren drei Gemeinden Eltern und Jugendliche auf jeweils einen Ausweich-Konfirmationstermin im September einigen konnten. So, dass es für die mit Landwirtschaft, die im Herbst ja auch voll gefordert sind, doch irgendwie passen konnte. Schön, dass das alles so geklappt hat! – Neben aller Sorgen um liebe Menschen, um die berufliche Existenz von Menschen, die uns nahestehen, und Einrichtungen, Geschäften, Restaurants, die uns viel bedeuten, ist doch auch ganz viel Sanftheit zu spüren im Umgang miteinander. Mehr Dankbarkeit an Supermarktkassen und in Arztpraxen für den Dienst derer, die da noch immer die Stellung halten. In unserer Familien-Whats-App-Gruppe wurde lange nicht so viel nachgefragt: Wie geht es euch? und ein „Passt auf euch auf, hab euch lieb“ gepostet. Und mancher meldet sich aus dem Bekannten- und Freundeskreis, mit dem länger nicht viel Kontakt war. Menschen rücken physisch auseinander, aber innerlich, mit ihren Herzen, zusammen. Und Gott muss sich nicht um eine Ansteckung an uns sorgen. Er will uns besonders nahe sein. Er hält bei uns aus, und wir können ihm unser Herz ausschütten. Er versteht und sagt: Ich bin da. Fühle und leide mit dir mit. Will dir Mut und Kraft geben. Ich bin da! – Sagt das denen, die momentan ganz einsam sind in Pflegeheimzimmern oder in Quarantäne. Sagt das denen, die das Gefühl haben, dass von ihren persönlichen Sorgen niemand Notiz nimmt. Gott ist ganz nahe.

Die Tageslosung heute lautet: „Der Herr spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande, dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke.“ (3. Mose 26,6).

Kommt gut durch den Tag!

„Der Herr deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes.“ (Psalm 27,5).

Die letzten Tage habe ich hier sehr viele Worte gemacht. Dieses Mal soll vor allem diese Losung klingen. Sie passt – wie meinte jemand – „wie ausgeschüttet“ – auf diesen Tag und diese Zeit. Böse – ich sag mal lieber: schwierig ist diese Zeit. Ganz viele Sorgen, Ängste, Nöte. Und dazwischen Spuren von Hoffnung. Das Gefühl nicht allein zu sein. Menschen stehen zusammen. Gott steht uns bei. Neben all den bedrückenden Corona-Meldungen auch dies: Ein Dankeschreiben von Kunden an der Tür eines Einkaufsmarktes in Leck – für die Verkäuferinnen. Ein angebotener Kaffee für Ordnungshüter. Ein Technikmensch, der gestern in Horsbüll für uns alles vorbereitet hat, dass wir am Sonntag den Gottesdienst online stellen können. Selbst die GEMA gibt grünes Licht für solche Online-Geschichten, ohne zu kassieren. Mancher bestellt gerade jetzt bei der ortsansässigen Gastronomie, die nun auf Essen to go umgestellt hat - sie braucht Unterstützung. Und andere beten für Menschen, die ihnen am Herzen sind. Doch wieder so viele Worte- pardon. Gott deckt und birgt uns in dieser Zeit und lässt uns füreinander da sein! Seid behütet!

Letzte Woche waren wir noch in der Kirche: unsere elf Konfirmandinnen und Konfirmanden und ich. Wir probten für den Vorstellungsgottesdienst Ende April. Klar, wussten wir auch da schon nicht, ob der Termin bleiben kann, ob die Konfirmationen verschoben werden müssen. Unsere Freizeit Ende März hatte ich da schon abgesagt. Aber wir probten. Und es ging eigentlich für die erste Mikrofonprobe in der Kirche echt schon ganz gut. Heute fällt der Unterricht aus. Wobei – ich werde unsere Jugendlichen bitten in unserer Gruppe wenigstens ein Lebenszeichen von sich zu posten. Wie es ihnen gerade geht.

Jetzt ist es passiert. Der Anruf kam. Die Glocken läuten. Jemand ist gestorben. Auf einmal tritt alles zurück: Corona. Verlautbarungen in der Presse. Alles nicht so wichtig. Ein Mensch ist gestorben. Ein einmaliges Universum verlöscht. Eine Lücke gerissen, die niemand füllen kann. Es ist alles schon schwer genug. Und jetzt auch noch in der Coronazeit. Keine Trauerfeier mit Freunden ,Nachbarn, Menschen, denen dieser eine so viel bedeutet hat, in unserer Kirche. Nur im engsten Kreis. Nur am Grab. Egal, ob es schneit oder regnet oder die Sonne scheint. Keine Orgel spielt. Abstand halten. Nicht zu lange bitte! Wie herzlos wirken mit einem Mal diese Anweisungen, die natürlich so wichtig sind zum Schutz der Lebenden. Aber ist das nicht genau das Handfesteste – neben Gebeten und Erinnerungen – was wir für den Menschen, den wir lieben und jetzt verabschieden müssen, noch tun können? Was würde er sich jetzt wünschen für die, die er zurücklässt? Dass sie gesund bleiben! Dass sie weiterleben können auf dieser Erde! Dass für sie fürsorglich gesorgt wird! – Deshalb diese Regeln: auch als ehrendes Andenken für den, den wir losgeben müssen! Wie klingt das Wochenlied für diese Woche: