Muttertag 2020: Dieser Muttertag bleibt für sie unvergessen. Wie war sie seit Wochen längst an ihrem Limit angekommen: Homeoffice und ihre zwei kleinen Kinder betreuen – es war eine Aufgabe, an der sie regelmäßig zu scheitern drohte. Manche Konferenzen musste sie abbrechen, weil nebenan eines ihrer Kinder zu weinen anfing. Die Arbeit in ihrem Job, die sie tagsüber nicht schaffte, musste sie nachts am PC nachholen, wenn ihre Kinder schliefen. Aber wann sollte sie selbst schlafen? Sie hatte in diesem Jahr gar nicht an den Muttertag gedacht

Es war einfach ein Sonntag, an dem sie zwischendurch etwas von der Arbeit am Laptop erledigen wollte, die die Woche über unerledigt blieb. Aber dann kam es doch ganz anders: Am Morgen kamen ihre zwei Kinder zu ihr ins Bett. Kuschelten mit der Mama. Überreichten ihr zwei selbstgemalte Bilder. Und sogar den Frühstücktisch hatten sie, so gut sie es mit ihren vier und sechs Jahren konnten, gedeckt. Sie kochte Kaffee, setzte sich mit ihren Kindern an den Tisch, drückte sie ganz fest an sich und vergaß für einen Moment allen Stress. Dieser Morgen mit ihren Kindern – nein, er war mit keinem Gold der Welt aufzuwiegen! Muttertag 2020: Acht Wochen hatte sie ihre Mutter jetzt nicht gesehen. Seitdem der Lockdown gekommen war, durfte kein Besuch mehr das Pflegeheim betreten. Ihre Mutter hörte schlecht und hatte womöglich auch erste Anzeichen von Demenz – mit Tablet oder Telefon konnte die Tochter mit ihrer Mutter nicht kommunizieren. Es kam der Muttertag. Und das erste Mal ist es möglich für eine Stunde die Mutter im Pflegeheim wieder zu besuchen. Hinter einer Plexiglaswand. Aber sie sehen sich. Mutter sieht eigentlich gut aus, denkt die Tochter ganz erleichtert. Was die Mutter über sie denkt? Mutter schaut sie mit offenem Mund an. Sie hält ihre Hand an die Scheibe. Die Tochter legt ihre Handfläche auf derselben Höhe an die Scheibe. Sie schließen die Augen. Es ist, als berührten sie sich! Sie wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen zu erzählen. Sie sagen nicht viel. Sie schauen sich an. Das ist Glück! Als sie ging, deutete ihre Mama noch einen Handkuss an. Ja, sie war in dem Heim gut aufgehoben. Und sie selbst als Tochter würde jetzt hoffentlich wieder öfter nach ihr schauen können. Wie immer es kommt: ihre Mutter wird das alles verstehen. Irgendwo in ihrem Herzen. Ganz sicher. Muttertag 2020. Und Gott sagt: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13).

Kommt gut und behütet durch diesen Tag!

Euer Pastor Gerald

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