Gestern wurden es 100! Ja, gestern, als wir uns in unserem Team auf den Weg machten um im Zentralmarkt Süderlügum einzukaufen und Menschen zu Hause mit Lebensmitteln zu versorgen, die momentan in finanziellem Engpass wegen der Corona-Pandemie sind oder weil die Tafel Südtondern derzeit ihre Ausgabestellen coronabedingt nicht geöffnet hat. Gestern wurden es 100. Ein junges Paar auf dem Parkplatz vor dem Zentralmarkt sprach uns an. Erzählte ihre Geschichte. Und half gleich mit am Ende die leeren Verpackungskisten zu entsorgen und die Wagen wieder zurückzubringen. Die 46. Lebensmittelkiste ging an sie und ihr Kind daheim. Der Adressatenkreis der zu beliefernden Personen stieg damit auf genau 100.

Es geht. Weil der Zentralmarkt Süderlügum uns super unterstützt, die bestellten Waren alle schon bereitgestellt und eingescannt hat und wir sie dadurch schnell durch die Kasse schieben können. Es geht. Weil wir auf dem Parkplatz morgens um 8.00 Uhr genügend Platz haben um die leeren Kisten aufzubauen und zu befüllen. Mit Lebensmitteln, Mehl, Zucker, Nudeln, Reis, Kartoffeln, viel Gemüse und Obst, Brötchen und Brot, Wurst und Käse, auch mal einer Süßigkeit, einem Kuchen, einer Tüte Chips. Joghurt, Milch. Passierte Tomaten und eine Dosensuppe. Gestern gab es Paprika. Kürzlich gab es auch mal Waschmittel dabei. Oder ein Duschbad. Ab vier Personen im Haushalt packen wir eine zweite, ab sieben Personen eine dritte Kiste. Der Warenwert pro Kiste liegt bei ca. 35 Euro. Kein wirklicher Luxus darinnen. Aber doch so, dass man von dem Inhalt – zusätzlich zu Hartz IV oder welche Geldmittel den einzelnen Familien zur Verfügung stehen – doch halbwegs gut die Woche durchstehen kann. Ja, es gibt Not bei uns. Nicht erst seit Corona. Aber nun verschärft. 100 Personen beliefern wir rund um Süderlugum, Neukirchen, Aventoft, Rodenäs, Klanxbüll, Emmelsbüll-Horsbüll, Galmsbüll. Der Lübke-Koog ist neu dabei und Ellhöft . Manchmal liefern wir aus, und die Nachbarn stehen schon parat und recken die Köpfe. Was nicht gerade hilfreich ist, weil mancher sich beschämt fühlt Lebensmittelhilfe zu empfangen. Aber da ist kein Grund sich schämen zu müssen, nicht einer! Der eine hat das Glück seinen Job behalten zu haben. Die andere hat das Glück nicht in diesen Zeiten. Der, der jeden Tag auf Sylt fuhr zum Geldverdienen, muss jetzt daheim bleiben und warten. Oder sie, die im Hotel ausgeholfen hat. Wieder jemand anderes ist mit seiner Familie noch nicht lange in Deutschland und konnte noch gar keine Arbeit finden. Wieder jemand kann nicht lesen, und bewältigt trotzdem seinen Alltag: bewunderswert. Eine andere ist alleinerziehend, was sie alles stemmt um ihre Kinder großzukriegen! Es sind besondere Lebensgeschichten, die mir viel Respekt abnötigen! Und es sind ganz viele Menschen dabei, die selber noch anderen helfen: bei sich im Haus und dort in der Familie, den gerade arbeitslosen Sohn oder die Enkelkinder. Und mancher engagiert sich noch in der Nachbarschaft. Eine hat vom großen Weißkohlkopf, den es letzte Woche gab, Kohlrouladen gekocht und in der Nachbarschaft verteilt und Menschen glücklich gemacht! Und wir – Helga mit dem Seebrisenbus, ihre Töchter, die am Parkplatz helfen, Henning, Tabea und ich – wir haben auch unseren Spaß. Auf der wöchentlichen Rundreise durch die Gemeinden sind wir nach dem Packen der Kisten dann noch vier Stunden im Bus unterwegs – einmal Hamburg würden wir in der Zeit auch schaffen, so fahren wir über Hesbüll und Aventoft bis nach Klanxbüll und über Galmsbüll dann zurück. Aber bekommen von Helga Heimatkundeunterricht. In beträchtlicher Gefahr schweben wir manchmal auch. Etwa wenn Tabea meint, die Weißkohlköpfe, die nun wirklich nicht mehr in die Lebensmittelkisten passten, uns aus dem Bus zuwerfen zu müssen. Ich muss mehr Basketball üben! Wir staunen, wie manche Menschen ganz idyllisch wohnen direkt am Norddeich gegenüber der dänischen Grenze, aber ohne eigenes Auto auch ganz schön gut organisiert sein müssen, um alles gut zu schaffen. Und wir freuen uns über ein Winken hinter Fenstern. Oder über so ein großartiges Geschenk, wie wir es gestern bekamen – ein wunderschönes Bild mit Regenbogen – ich füge es hier mal an. Ein Dank an die Aktion Mensch, ohne deren Unterstützung wir unser Projekt nicht hätten starten können. Ein Dank an Unterstützung durch Menschen und Stiftungen vor Ort – gerade die Woche erreichte uns so eine großartige Unterstützung, wir werden uns da nach Abschluss unserer Aktion noch einmal ganz besonders und detailliert bedanken! Lasst uns einfach hinschauen, da wo wir sind und leben, füreinander da sein – jede, jeder hat viel zu geben und darf auch empfangen und nehmen. Das macht Menschsein aus. Und der wunderbare Gott über uns und um uns möge euch segnen und behüten. Morgen ist Himmelfahrt. Wir feiern um 11.00 Uhr in Neugalmsbüll auf dem Friedhof einen Gottesdienst. Gott ist im Himmel. Und der Himmel ist manchmal nur ein Herzschlag neben dir. Oder in dir!

Bleibt gut behütet! Euer Pastor Gerald

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