Jetzt musste es sein! Morgens beim Aufstehen standen meine Haare schon völlig in alle Richtungen ab, so lang sind sie geworden, und so sprang ich dann bei der ersten Gassitour vor dem Duschen mit unseren Hunden im Garten herum! Und überhaupt, vor Ostern musste unbedingt noch der übliche „Osterschnitt“ sein. Schwierig in Zeiten von Corona, weil meine Lieblingsfriseurin in einem hiesigen Nachbarbüll derzeit aus guten Gründen ihren Laden geschlossen halten muss. Also muss meine Frau ran! Eine Schere haben wir auch. Und los geht es. Mit etwas klopfendem Herzen sitze auf dem Stuhl und höre mir die Anweisungen an. „Halt dich doch mal gerade!“ – „Schau mich an!“ – „Schau nach links, nein, nicht so weit nach unten.“ Ich halte die Luft an, und zwar nicht um auf diese Weise einen Corona-Schnelltest an mir selber durchzuführen, sondern weil ich mich kaum zu bewegen traue.

Wisst ihr noch? Heute vor drei Monaten war Weihnachten. In der Adventszeit konnten wir jeden Abend zusammenkommen beim Adventskalender: Nachbarn, Freunde: wie kostbar ist das! An Heilig Abend saßen wir dicht an dicht in den Kirchen – ein schönes Gefühl von Gemeinschaft. Und über die Feiertage konnten wir einander besuchen und spontan auch bei den Nachbarn klingeln, frohe Weihnacht wünschen, uns in den Arm nehmen. Heute klingt das fast so wie aus einer anderen Zeit! Da habe ich jetzt doch tatsächlich ein Weihnachtslied im Kopf – kein so bekanntes, aber es steht in unserem Gesangbuch. Ich mag es sehr, die Melodie und den Text: „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein. Der immer schon uns nahe war, stellt sich als Mensch den Menschen dar. Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht endlos sein.“ (Dieter Trautwein). Nicht nur traurig – und schon gar nicht endlos – können wir so diese Zeit mit Corona jetzt annehmen? Lasst uns weiter Tag für Tag bestehen, uns Nähe und Verbundenheit nun anders zeigen. Unsere Weihnachtslaterne steht noch vor dem Pastorat, da will ich heute Abend um 18.00 Uhr, wenn die Glocke in Emmelsbüll läutet, einfach eine brennende Kerze hineinstellen. Vielleicht mögt ihr auch heute Abend eine Kerze anzünden und ins Fenster stellen, und wir können gemeinsam beten: für alle in der Pflege und in den Krankenhäusern Tätigen, für alle Erkrankten und die in Quarantäne, für alle an der Arbeit und für alle, die nicht arbeiten dürfen. Für alle, die viel Sorgen haben und für alle, die anderen ein paar Sorgen abnehmen, indem sie für sie einkaufen und sich kümmern. Gott begegnet uns im Mitmenschen, der sich uns zuwendet, in Worten, die Hoffnung geben, im Licht, das nicht verlöscht, in der Liebe, die wir weitertragen können. – Und wenn in acht Monaten die Adventszeit beginnt – vielleicht können wir sie dann noch mal so dankbar begehen, wenn es hoffentlich wieder möglich ist: jeden Abend zusammenzukommen und uns auf Weihnachten zu freuen.

Bleibt gesegnet und behütet! Euer Pastor Gerald

Vorgestern Radtour mit meinen Mädels Richtung Südwesthörn. Dabei kamen wir auch an dieser Schafherde vorbei. Mutterschafe und ihre Lämmer. Wir mussten einfach einen Moment absteigen und zuschauen. Es sah so unbeschwert und idyllisch aus. Und hat uns doch in dieser Zeit wohl mehr berührt als sonst: Die Lämmer sprangen ausgelassen in die Höhe oder kuschelten sich an ihr Mutterschaf.90750345_113840860253629_2589927114132160512_o.jpg

Sie wissen nichts von den Sorgen der Menschenwelt um sie herum. Wir vergaßen diese Sorgen auch für einen Moment. Mal kein Corona. Einfach nur schauen, genießen, abschalten. Irgendwann stiegen wir wieder auf die Räder und fuhren weiter. „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater.“ Sagt Jesus im Johannesevangelium. Jesus ist wie ein treusorgender Hirte, der für seine Schafe sorgt. Die dürfen vertrauen – der Hirte macht das schon. Der sucht nach Weide und Wegen und Wasserstellen. So ist Jesus. Er ist uns nahe. Er zieht sich nicht von der Herde zurück. Er steht uns Menschenkindern bei. Auch in diesen besonderen Zeiten. Er weiß um unsere Sorgen und Gedanken, unser Bangen um liebe Angehörige, unseren sorgenvollen Blick Richtung eigene Zukunft. Er sieht, wie manche für die anderen einfach da sind, sich selbstlos einsetzen, bis an die Grenzen der eigenen Kraft. Er sieht andere, die langsam lernen: Hilfe zuzulassen. Nicht selber jetzt einkaufen zu müssen , wenn man Vorerkrankungen hat oder schon älter ist. Sondern sich helfen lassen, auch das ist Menschsein: Hilfe empfangen dürfen und sich dabei nicht als Last erleben, sondern noch immer als wertgeschätzter Teil unserer Gesellschaft, für den gesorgt wird, wie der Hirte für jedes seiner Schafe sorgt. Jesus sieht weiter. Er weiß, was noch alles auf uns zukommt. Er sieht sie aber auch schon, die Zeit nach Corona, von der wir jetzt nur vage träumen können. Aber mit ihm als Hirten an unserer Seite halten wir doch durch! Und wir sind nicht allein. Wir stehen als bedürftige Herde mit Abstand und doch verbunden da. Und schauen, so gut wie das jetzt geht, ganz besonders eine, einer nach dem andern. Haltet gut durch! Der gute Hirte sieht nach uns. Und manchmal schenkt er uns Augenblicke, da sind die Sorgen für einen Moment außen vor. Und wir genießen das Leben, das gerade jetzt ein besonders kostbares Geschenk ist. Wie wir vorgestern auf dem Weg Richtung Deich bei einer Herde Schafe.

Seid behütet! Euer Pastor Gerald

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„O Freunde, nicht diese Töne. Sondern lasst uns angenehmere anstimmen und freudenvollere.“ So fängt sie an, in der 9. Sinfonie von Beethoven, die Ode an die Freude. Gestern Abend wurde sie auf unzähligen Balkonen und Terrassen intoniert. Selbstständige Profimusikerinnen und -musiker, momentan ohne Aufträge, mischten sich genaus unter die Spielenden wie Hobbymusiker. Und andere machten einfach Türen und Fenster auf und lauschten. Mal für einen Moment kein Corona. Mal für einen Moment keine Sorgen und Klagen- sondern Freude. Mal für eine Moment etwas Europaumspannendes, wo derzeit jedes Land vielleicht viel zu sehr auf sich alleine gestellt ist und die Herausforderung durch Corona noch viel zu wenig als Herausforderung für Europa als ganzes gesehen wird und für die Welt. Ausgerechnet die Ode an die Freude, die Europahymne, wurde gespielt. Und mancher sprach vielleicht auch den Text leise mit: „Seid umschlungen, Millionen, dieser Kuss der ganzen Welt. Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.“

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In Zeiten, wo man sich besser nicht umarmen sollte, wurde ein musikalischer Kuss von einem zum anderen gesandt, virenfrei. Ein kostbares Zeichen der Verbundenheit. – An den liebenden Vater , die liebende Mutter, mit der Gott gestern im Predigttext bei Jesaja verglichen wurde, fällt uns momentan gar nicht so leicht zu glauben. Gott lässt das Virus nicht einfach zu. Und er vergräbt sich nicht hinter den Wolken. Er ist uns , sie ist uns sehr Ist mit uns in Quarantäne. Ist bei uns, wenn es ärztliche Hilfe nicht mehr gibt. Stärkt Ärztinnen und Pfleger, dass sie die Arbeitsbelastung schaffen. Schenkt Forschenden Ideen, wie das Virus in den Griff zu kriegen ist. Ist der Anruf, der die Einsame erreicht. Nicht hinter den Sternen. Mitten unter uns, in uns, wohnt der liebende Gott. Du kannst ihn heute zu den Menschen bringen!

Seid gesegnet! Euer Pastor Gerald

Aufgrund der Empfehlungen der Nordkirche und des Kirchenkreises Nordfriesland finden

ab sofort bis auf weiteres

keine Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen statt.

Weitere Informationen erfolgen jeweils zeitnah auf dieser Seite.

Bitte gerne öfters hier nachsehen.

Gebetsketten gibt es in verschiedenen Religionen – katholische Christinnen und Christen kennen den Rosenkranz, im Islam gibt es eine Gebetskette für die 99 Namen Allahs. In Schweden war es eine besondere Situation, in der Martin Lönnebo, Bischof der schwedischen lutherischen Kirche, die Eingebung der „Perlen des Glaubens“ empfing: er saß 1995 infolge eines Sturmes längere Zeit auf einer griechischen Insel fest und beobachtete dabei Fischer, die bei der Arbeit und am Strand mit einer Perlenkette (dem sogenannten Komboloi) spielten. Das brachte ihn auf die Idee eine Perlenkette zu entwickeln, die Christinnen und Christen beim Beten und Meditieren unterstützen kann. Und so entstanden die „Perlen des Glaubens“.

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