Geistliches Wort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,


als ich neulich in der Emmelsbüller Kirche saß, war ich ganz überrascht. Überrascht, weil ich dort etwas entdeckte, was ich zuvor nicht gesehen hatte. Und weil mir das Gleiche auch in der Risumer Kirche schon längere Zeit zuvor aufgefallen war. So viel sei schon einmal verraten: es hat mit Weihnachten zu tun.


Doch bevor ich Ihnen sage, um was es sich genau handelt, möchte ich Sie bitten, sich kurz den Stall bei Bethlehem vorzustellen. Den weihnachtlichen Stall mit der Krippe, Jesus darin, Maria und Josef und die Tiere dabei. Wie sieht es dort aus, in "Ihrem" Stall? Wie sind die Wände beschaffen? Wie der Boden? Die Krippe? Wo ist Licht, wo Dunkelheit? Wo gibt es Wärme, wo ist es kalt? Wenn Sie die Szene malen sollten, wie würde sie aussehen?


In meinem Bild wären viel Wärme und Licht. Sie würden ausgehen von der Krippe, vom Jesuskind, und alle mit hineinholen, die Eltern, die Tiere. Der Rest des Bildes würde im Dunkel verschwinden, aber nicht in einem bedrohlichen, sondern in einem behaglichen. Wichtig wäre mir in jedem Fall, es den Beteiligten so gemütlich wie möglich zu machen in meinem Bild. Sie sind schließlich in einem Stall!


Und genau da fingen in Emmelsbüll in der Kirche meine Gedanken an zu wandern … Als ich nämlich ein Bild oben am Altar entdeckte, das den kleinen Jesus mit Maria und Josef zeigt - aber gar nicht so gemütlich, sondern bei offenem Fenster! "Kann mal jemand das Fenster zumachen?!", wäre wohl unsere natürliche Reaktion darauf. Der Kleine soll sich doch nicht verkühlen. Und Maria und Josef, die haben eine lange Reise und eine Geburt hinter sich. Also: "Kann mal jemand das Fenster zumachen?!" Doch - Moment, sie sind ja in einem Stall, da kann man ein Fenster mitunter gar nicht schließen. Das steht einfach offen. Und genau dieses offene Fenster sprang mir in Emmelsbüll und vor längerer Zeit auch schon in Risum ins Auge. In den Darstellungen am Altar in Emmelsbüll und an der Risumer Kanzel war den Künstlern ganz offensichtlich genau dieses Detail wichtig: das offene Fenster. Man kann förmlich spüren, wie die kühle Nacht eindringt in den Stall. Wie die Welt schon zu greifen scheint nach dem, was dort geschieht. Man möchte der Familie so gern ein wenig Ruhe gönnen und warme Geborgenheit.


Gott kommt zur Welt in einem kleinen Menschen in einem Stall in dunkler Nacht, erzählt uns die Weihnachtsgeschichte, nicht in den Palästen dieser Welt. Er kommt zu Menschen, die arm sind - Maria, Josef, die Hirten. Gott kommt zu den Tieren, zu Esel, Ochse, Schafen und Kamelen, und wer weiß, was noch so unterwegs war auf vier Beinen oder mit zwei Flügeln in dieser Heiligen Nacht. Gott kommt zu ein paar verrückten Weisen oder weisen Verrückten, die bereit sind, unbekannte Wege zu gehen und Ausschau zu halten nach einem Stern in der Nacht. Dazu gehören Dunkelheit und Kälte. Fragen und Sorgen, Ängste und Zweifel. Sie lassen sich nicht aussperren. Doch so wenig sie sich aussperren lassen, so wenig lässt sich die Weihnachtsbotschaft einsperren. Sie geht hinaus, um sich auszubreiten in die ganze Welt, über den weiten Himmel, sich auszudehnen in Raum und Zeit, auch hinein in unser Herz. Dafür steht das offene Fenster. In meinem Bild vom Stall wird es jetzt immer auftauchen. Und ich bin gespannt, in wie vielen Kirchen ich es noch entdecke.


Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit
wünscht Ihnen
Ihre Pastorin Katja Pettenpaul




Tageslosung von Sonntag, 17. Dezember 2017
3. Sonntag im Advent
Als die Zeit herbeikam, dass David sterben sollte, gebot er seinem Sohn Salomo und sprach: Ich gehe hin den Weg aller Welt. So sei getrost und diene dem HERRN, deinem Gott.