„Sie aßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken übrig blieb – zwölf Körbe voll.“ (Matthäus 14,20) Das ist die neutestamentliche Tageslosung für heute. Eine besondere Geschichte, die zu diesem V Vers gehört: Jesus hat 5000 hungrige Menschen vor sich, aber nur 5 Brote und 2 Fische – aber es reicht! Am Ende bleibt sogar noch übrig: 12 Körbe voll. Die heilige Zahl 12, die an die zwölf Stämme Israel erinnert, für die ja auch die 12 Apostel stehen. Will sagen: am Ende geht niemand, der zu Gottes Volk gehört, mit leeren Händen und hungrig heim. Ja, es bleibt nicht deshalb so viel übrig, weil die Menschen sich nicht zu nehmen trauen – die Bibel sagt ausdrücklich: sie wurden alle satt! – Es reicht! Auch wenn auf den ersten Blick so wenig nur da zu sein scheint.

Es reicht, wenn wir das, was da ist, mit Dank empfangen und austeilen und dabei auch auf die anderen schauen, Rücksicht üben, weiterreichen. Es reicht, und es ist am Ende eine wunderbare Erfahrung. Viel stärkender als das Brot und der Fisch: ist das Erlebnis: so viele Menschen, und jeder gönnt dem anderen, was er oder sie bekommt. Liegt da der Schlüssel zum Verständnis dieses Wunders? – So wenig Impfstoff. Aber wenn wir danken für das, was da ist, und zügig verteilen und nicht eine riesige Bürokratie daraus machen, wer jetzt befugt ist eine am Abend vielleicht übrige Impfdosis noch zu bekommen (so dass die Impfdosen dann eher im Kühlschrank landen statt unter die Leute kommen): es wäre ein erster Schritt. Und wenn wir vorsichtig bleiben und den Gefährdeten, die zuerst geimpft wurden, die Impfung gönnen, und vertrauen: wir kommen ja auch noch dran. Und selbst wenn Geimpfte dann vielleicht früher als wir in ein Konzert gehen dürfen oder in ein Restaurant – wie wäre das, wenn wir uns mit ihnen mitfreuen könnten und mit denen, die endlich ihre Gaststätte oder ihren Konzertsaal wieder öffnen könnten? Wenn wir das ganze als einen gemeinsamen Erfolg begreifen könnten, der die Gegenwart für alle erträglicher und die Zukunft um so hoffnungsvoller macht? Wäre das utopisch? Undenkbar? Oder doch eines der Wunder, wie sie Gott so erhofft von seinen Menschen? Damals am See blieben offenbar alle geduldig, bis sie an der Reihe waren, und empfingen und wurden satt und gingen glücklich nach Hause. Gar nicht nur glücklich über Brot und Fisch. Mehr noch: über das Wunder einer Gemeinschaft, die zusammenhält!

Gott. Bewahre uns vor der Angst zu kurz zu kommen. Hilf uns zu teilen und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Gib, dass die Güter der Erde gerechter verteilt werden. Gib, dass in Deutschland Wohnraum fairer aufgeteilt und für alle bezahlbar wird. Hilf, dass die Impfungen weltweit und auch mitten unter uns vorankommen. Bewahre alle, die krank sind. Und öffne uns die Augen und Ohren und unser Herz für die, die sich in diesen schweren Zeiten nach mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung sehnen. Amen.

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald

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Foto: Tabgha – die Kirche der Brotvermehrung in Israel