Jesus antwortete: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ (Lukas 19,40).

Jesus zieht mit seinen Freunden in Jerusalem ein. Auf einem Esel. Jeder Fromme verstand die Anspielung auf die Weissagung beim Profeten Sacharja: „Dein König kommt, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.“ (Sacharja 9,9). Menschen laufen herbei, sie legen Kleidung auf den Weg wie einen roten Teppich, um Jesus in ihrer Stadt zu begrüßen. Und die Jünger laufen nebenher und rufen: „Gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!“

Das muss schon ein besonderer Anblick gewesen sein. Aber einige der Pharisäer fordern Jesus auf die Jünger zum Schweigen zu bringen. Da antwortet Jesus, so erzählt der Evangelist Lukas, mit diesen Worten: „Wenn dies schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Was meint Jesus? Keine Zweifel, er weist die Kritik der Pharisäer zurück. Die wollen nicht hören und nicht sehen, dass mit Jesus eine neue Zeit anbricht: ein besonderer König, der da kommt. Sie übersehen die Zeichen, die Jesus schon getan hat. Aber diese Botschaft, so verstehe ich Jesus: diese Botschaft vom König, vom Helfer und Retter, der, von Gott gesandt, in die Welt gekommen ist: die ist nicht mehr zum Verstummen zu bringen. Wenn nicht die Jünger singen – dann werden die Steine schreien! Denn die Welt ist voll dieser einen Botschaft! Jesus wurde am Kreuz mundtot gemacht. Die meisten Jünger starben später als Verkünder des Evangeliums einen gewaltsamen Tod. Die Botschaft wurde aber immer weiter getragen. Immer wieder erkennen Menschen das, was andere nicht sehen und hören wollen: dass Gott in der Welt ist. Dass bei Jesus Heil und Rettung ist. Dass seine Liebe nicht mehr aus dieser Welt fortzudenken ist. Und wenn wir einmal alle verstummen, sind da immer noch die Steine, die reden: die Steine am Meer. Die Steine unserer Kirchen: von Gottes Wundern. Und der Kraft, die Glaube zu geben vermag. Steine schreien. Manchmal schreien sie vor Schmerz und Scham über das, was in dieser Welt geschieht. Wer ein ehemaliges Konzentrationslager besucht und selber verstummt angesichts des Leides, das hier geschehen ist, der weiß: wie Steine schreien können. Manchmal schreien Steine an den verschmutzten Stränden unserer Meere oder auf den Bergen, freigelegt unter ehemaligen Gletschern, von dem Leid, das wir Menschen dieser Welt zufügen, und klagen an. Manchmal erzählen Steine aber auch von Gott, der diese Welt geschaffen hat und möchte, dass wir ihn erkennen, selber umkehren, uns seiner Wegweisung und seiner Liebe anvertrauen! Und auf den Gräbern singt jeder Grabstein vom Leben, das bleibt, wenn wir die Namen auf den Gräbern längst vergessen haben. Wie kostbar zu wissen: wenn wir mal nicht in der Lage sind zu reden. Wenn wir vor Zweifeln oder Sorgen verstummen. Gott wird immer noch Wege finden, dass sein Wort erklingt. Und wenn Steine schreien!

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald

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Foto: Ostersteine haben letztes Jahr die Botschaft der Auferstehung weitergetragen.