Heute auf den Tag vor 230 Jahren starb John Wesley. 1703 im nordenglischen Epworth geboren, als 15. von 19 Kindern, wächst er auf und entkommt mit 5 Jahren gerade noch rechtzeitig aus dem brennenden Elternhaus. Später besucht er das Christchurch-College in Oxford und gründet mit 22 Jahren mit anderen Studenten einen Kreis zum gemeinsamen Bibellesen. Bald wird dieser Kreis von anderen als „Heiliger Club“ oder „Methodisten“ verspottet. Wesley wird Priester der anglikanischen Kirche. Auf einer Schifffahrt gerät er in Seenot. Mitreisende Herrnhuter Christen stimmen Glaubenslieder an – von ihrer Gefasstheit und Glaubensstärke zeigt sich Wesley zutiefst beeindruckt.

In London besucht Wesley bald die Versammlung der Herrnhuter Christen und erlebt seine persönliche Bekehrung zu Jesus Christus. Unermüdlich reist er nun durch England und Amerika, predigt Gottes Liebe, engagiert sich gegen soziale Missstände, wettert gegen die herkömmliche Meinung Armut sei eine Strafe Gottes. Von der Amtskirche kritisch beäugt, predigt Wesley oft unter freiem Himmel und wird zum Mitbegründer einer eigenen Glaubensbewegung: der methodistischen Kirche. Von Wesley können wir ganz viel lernen. Vor allem, dass christlicher Glaube und Engagement gegen soziale Ungerechtigkeit und für die Armen untrennbar zusammengehören. Dagegen steht das in Amerika heute weit verbreitete „Wohlstandsevangelium“, nach dem Karriere und materieller Wohlstand genauso wie Gesundheit Ausdruck von Gottes Belohnung seien und demgemäß umgekehrt dann doch offenkundig Armut und Krankheit Ausdruck von Gottes Strafe. Schauen wir doch einfach in die Bibel: Bei Jesus kommt ein Reicher nur schwer in den Himmel. Auf Geben liegt Segen, und die Armen preist Jesus selig, weil sie ganz besonders Gottes Kinder sind. Und Krankheit ist keine Strafe Gottes, sondern den Kranken gilt Jesu besondere Zuwendung. Dazu passt die Erfahrung, die Paulus mit einer schweren Krankheit macht: Er wünscht sich gesund zu werden, aber Gott gibt ihm zu verstehen: „Lass dir an meiner Gnade genügen, meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Korinther 12,12). John Wesley hat erkannt: wie sehr Gottes Herz für die Armen und Kranken schlägt! Das andere, was mich an Wesley beeindruckt, ist seine persönliche Bindung an Jesus. Diese Entdeckung, dass Glaube nicht irgendetwas sein will in meinem Leben neben vielem anderen, sondern die entscheidende Kraft! Und dass Jesus mein Heiland sein will, von dem ich mich behütet, geliebt, getragen wissen darf. Und dann ist da noch ein legendärer Satz von John Wesley, und der geht so: „Gott ist so groß, dass er auch den kleinsten Dingen, die um seinetwillen getan werden, Größe verleiht.“ Was für eine Ermutigung für das, was wir tun! Betest du heute für jemanden? Bringst du in das Leben eines Menschen einen kleinen Silberstreif Hoffnung? Bringst du heute jemanden zum Lachen? Begegnest du dem Leben um dich herum mit Respekt? Denkst du manchmal: „So viel müsste man tun! Und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll! Was kann ich schon bewirken!“- Dann erinnere dich an die Worte von Wesley: „Gott ist so groß, dass er auch den kleinsten Dingen, die um seinetwillen getan werden, Größe verleiht!“ Trau Gott etwas zu, dann traust du dir auch selber etwas zu! Und Gott macht daraus etwas Großes! Gebet:

Gott. Heute denke ich an jemanden, für den gestern eine Welt zusammenbrach. Von einem auf den nächsten Moment. Bitte hilf! Lass alles so gut, wie es irgend möglich ist, werden! Gib Hoffnung und Trost und Kraft! Lass uns bedenken, wie kostbar und zerbrechlich unser Leben ist. Hilf uns mit unserem Leben etwas anzufangen. Und mach aus dem Kleinen und Geringen, das wir versuchen zu tun, etwas Großes, Segensreiches, Hoffnungsvolles! Du kannst das! Amen.

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald

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Foto: Die frühere methodistische Kapelle in meinem früheren Gemeindeort Allendorf/Eder – ihr Pastor Blum hat Ökumene immer sehr wertgeschätzt, liebe Grüße, Jürgen!