Kennt ihr Schifra und Pua? Sicher nicht die bekanntesten Namen der Bibel. Aber zwei echte Heldinnen. Engagiert für das Leben. Ihnen wird eigentlich kein Spielraum gelassen – aber sie finden einen Weg. Sie wählen eine Notlüge. Sie werden kreativ. So wollen sie ganz viel Leben retten. – Die Geschichte spielt im Ersten Testament und ist der Auftakt der Mose-Geschichten. Das Volk Israel lebt als Minderheit in Ägypten. Ein neuer Herrscher hat Angst vor Überfremdung und sieht das Aufblühen der hebräischen Minderheit, auch die Gebärfreudigkeit ihrer Frauen, mit Unbehagen.

So bestellt er die hebräischen Hebammen zu sich und befiehlt, dass sie von nun an alle Jungen, die sie zur Welt bringen, töten müssen – nur die Mädchen dürfen überleben. Hebammen, die sich dem Wohl der schwächsten Glieder einer Gesellschaft, der neugeborenen Kinder, verschrieben haben: wie könnten sie, die Anwälte des Lebens, nun Todesanwältinnen werden? „Die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte“, heißt es in der Bibel. Da ruft sie der Pharao abermals zu sich. Ein Ungehorsam gegenüber dem Pharao, das müsste ihren sicheren Tod bedeuten. Aber sie antworten auf legendäre Weise: „Die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind kräftige Frauen. Ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren.“ – Was für einen „Unsinn“, so hat es Heinrich Bedford-Strohm in seiner Auslegung genannt, die beiden dem Pharao da auftischen! Aber das Geniale ist: so wie der Pharao seine rassistischen Vorurteile gegenüber den Hebräern pflegt und sie als minderes Volk sieht, das kleinzuhalten ist, so antworten sie ihm mit genau solchen rassistischen Vorurteilen: als bräuchten die Hebräer keine Hebammen und flutschten ihre Kinder wie von selbst aus dem Schoß ihrer Mütter. Was für ein Mut, dem mächtigsten Mann des Landes so kühn ins Gesicht zu liegen. Natürlich ist es auch der Mut der Verzweiflung, weil sie weniger ihr Leben, vor allem aber das Leben der Kinder schützen wollen. Die brauchen wir heute mehr denn je: diese Schifras und Puas! Menschen, die Haltung zeigen! Menschen, die Rückgrat haben und nicht einknicken. Die ihre Werte nicht so einfach über Bord werfen. Die wissen, an welcher Seite Gott sie haben will. Die kreativ werden, um den Einfluss, den sie haben, die manchmal vielleicht minimale Chance etwas zum Besseren zu bewirken, die ihnen gegeben wird, zu nutzen! Die sich für Schutzbedürftige und Minderheiten einsetzen. Die denen, die rassistische und diskriminierende Parolen brüllen, den Spiegel vorhalten und ihnen in den Weg treten. Schifra und Pua. Menschen aus dem Volk, die Mut zeigen und instinktiv das Richtige tun. „Weil sie Gott fürchteten“, sagt die Bibel. Das heißt: weil sie wissen, wie sehr Gottes Satzungen dem Leben jedes Menschen dienen und Gott keine Unterschiede macht, welchem Volk, welchem Glauben man angehört. Weil sie Gott mehr gehorchen als Menschen. Weil sie sich weniger um eigene Vorteile und Sicherheiten sorgen als vielmehr um Menschen, die sie schützen wollen. – Am Ende konnten Schifra und Pua den Gang der Geschichte nicht aufhalten. Der Pharao ließ die männlichen Neugeborenen der Hebräer nun aufspüren und durch seine Soldaten umbringen. Aber einer überlebte. Mose – der später sein Volk, das Volk der Schifras und Puas, in die Freiheit führen sollte. Lasst uns kreativ sein, wenn es darum geht, Leben zu achten und zu bewahren und Rassismus zu widerstehen. Das ist momentan besonders wichtig. Leben ist regenbogenfarbig. So will es Gott. Bleibt behütet. P.S. In der Bibel könnt ihr die Geschichte nachlesen im 2. Mose 1,15-20 – sie ist die Titelgeschichte der dritten Woche der Aktion „Sieben Wochen ohne“ . Der schöne Regenbogen stammt von Svantje aus Klanxbüll - genau so muss die Welt sein: regenbogenfarbig bunt!

 

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