Es war eine der letzten gemeindlichen Veranstaltungen, die noch möglich waren, bevor der Lockdown kam im vergangenen Jahr: Die Feier des Weltgebetstages der Frauen, die traditionell immer am ersten Freitag im März weltweit begangen wird. Heute nun findet diese Veranstaltung in vielen Ländern so ganz anders als sonst statt: vielerorts rein digital oder in deutlich kleineren Gruppen als sonst, und mancherorts wird sie ganz ausfallen. Schade! Denn eigentlich lebt dieser Weltgebetstag von der Begegnung von Menschen verschiedener christlicher Konfessionen, die sich an diesem Abend treffen um miteinander Gottesdienst nach einer Liturgie und Texten und Gedanken zu feiern, die jedes Jahr von Frauen eines anderen Landes ausgearbeitet werden.

Und dazu gehört meist im Anschluss auch noch ein geselliges Beisammensein mit Essen und Trinken nach Rezepten des jeweiligen Gastgeberlandes. In diesem Jahr ist Vanuatu mit seinen 83 Südseeinseln Gastgeberland des Weltgebetstages. Vanuatu zeigt sich Besucherinnen und Besuchern wie ein Paradies: blaues Meer, weiter Sandstrand, tropischer Regenwald und strahlende Gesichter der Menschen. Nicht umsonst stand die Bevölkerung jahrelang an erster Stelle in der Rangliste der Länder mit den glücklichsten Menschen. Vanuatu ist aber nicht nur von Glück erfüllt: es gibt große Sorgen wegen des steigenden Meeresspiegels. Die Folgen des Klimawandels sind hier schon deutlich zu spüren. Gewaltige Stürme fegen vermehrt über die Inseln hinweg. Und im Landesinneren drohen Erdbeben und Vulkanausbrühe. Und noch etwas: mehr als die Hälfte der Frauen auf Vanuatu mussten schon gewaltsame Übergriffe in ihrer Partnerschaft erleiden. „Worauf bauen wir?“ Mit dieser Frage haben sich die Frauen bei der Vorbereitung des Weltgebetstages auseinandergesetzt. Sie erinnern an das Gleichnis vom Hausbau, das Jesus erzählt: ein kluger Mensch baut sein Haus nicht auf Sand, sondern auf Stein. Dann kann Wasser und können Stürme kommen, aber das Haus hat festen Untergrund und hält stand. Die Frauen Vanuatus fragen: Worauf bauen wir unser Leben auf? Eine Frau namens Mothy aus Vanuatu erzählt, wie sie unter ganz ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war. Von der Familie verstoßen, weil der Platz und das Essen nicht für alle Kinder reichte, musste sie sich später auf der Straße durchschlagen. Christinnen erzählten ihr von Gott. Sie hatte so viele Fragen an diesen Gott, der sie scheinbar als Kind so im Stich gelassen hatte. Aber sie entschloss sich doch einfach darauf zu vertrauen, dass Gott sich um sie kümmern würde. Das half ihr in der schweren Zeit durchzuhalten: sie ist in ihrem Vertrauen nie mehr enttäuscht worden. Worauf baust du? Bei uns kehren viele nicht nur den Kirchen, sondern auch dem Glauben den Rücken. Bezeugen wir genug diesen Gott, der für Menschen sorgt? Gott, der die Liebe ist und sich jedem Menschen in Güte zuwendet? Bezeugen wir einen Gott, der uns nicht beurteilt nach Aussehen, Geld und Schulnoten? Gott, der aber auch möchte, dass wir unser Leben nicht in den Sand setzen, sondern Nächstenliebe groß machen, diese Welt endlich mithelfen zu bewahren und uns von der Not nächster und ferner Nächsten berühren lassen? Worauf baust du? Ohne Gott, ohne Vertrauen in ihn wäre mein Leben doch nur ein Kartenhaus, schutzlos den Stürmen ausgeliefert. Mit Gott fühle ich mich so viel stärker, getroster, hoffnungsvoller, gehalten wie das Kind auf dem Titelbild des diesjährigen Weltgebetstages in den Armen seiner Mutter.

Gott, schütze die Menschen auf Vanuatu. Gib, dass sie glücklich sind. Wehre der Gewalt, die Frauen dort erleiden. Lass uns mithelfen die Klimakatastrophe noch abzuwenden, damit Vanuatu und wir alle und unsere Nachkommen noch eine Zukunft auf diesem Planeten haben. Hilf uns auf dich zu bauen, auf deine Liebe, und zu vertrauen: du bist da und hältst uns! Amen.

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald

 

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Fotos: Titelbild zum Weltgebetstag von diesem Jahr und Bodenbild vom Klanxbüller Weltgebetstagsgottesdienst 2020