Die vierte Woche der Passionszeit hat begonnen. Die Aktion „Sieben Wochen ohne“ stellt sie in diesem Jahr unter die Worte: Dir zuliebe? Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockade. Dir zuliebe: Was tun wir im Leben so ganz ohne jeden Eigennutz? Was tun wir so ganz: einem anderen, einer anderen zuliebe? Was hat jemand anderes für euch getan, einfach so, weil es euch gut tun sollte? – Oft handeln wir nach dem Gegenseitigkeitsprinzip: Ich tu dir Gutes, damit du mir Gutes tust. Oder: Ich tue dir Gutes, weil du mir Gutes getan hast. Wie hab ich mich manchmal geziert, an Weihnachten mir etwas schenken zu lassen von jemandem, für den ich kein Geschenk vorbereitet habe?

Ihr wollt wissen, wie es mir ergangen ist - gestern, bei meiner Frisörin? Es fühlt sich richtig gut an, kann ich da nur sagen, mit weniger Last auf dem Kopf 😊. Und ich hoffe, es ist – lieber Henning, du hattest dich gestern ja ganz lieb um mich gesorgt – nicht so wie bei dem biblischen Samson, der alle seine Kraft verlor, als ihm die Haare gestutzt wurden! Erleichtert war ich, dass mich unser Mops ins Haus ließ – ich fürchtete erst, er würde mich gar nicht mehr erkennen! Ich war so beschwingt nach dem Haarschnitt , dass ich die Besorgungsliste, die ich für Klanxbüll von meiner Frau noch mitbekommen hatte, prompt vergaß und auf direktem Wege gleich nach Hause fuhr! – Ich war aber auch beschwingt, weil ich beeindruckt war von der, die die Schere schwang.

Heute ist es soweit! Ich bin schon ganz aufgeregt! So lange habe ich darauf gewartet. Sehnsüchtig! Früher war das so selbstverständlich, zack, hin, viertel Stunde wieder draußen, alles war gut. Aber jetzt ist es fast schon ein bisschen Himmel auf Erden. Ein Königreich für diesen Termin! Mir ist ganz feierlich zumute! – Wie, meint ihr? Impfen? Nein, ich bin natürlich noch nicht dran mit einem Impftermin. Ja, den Termin sehnen wir auch alle herbei, wenn das endlich geschafft ist und wir mit etwas mehr Leichtigkeit und weniger Angst uns anzustecken oder andere anzustecken in unseren Alltag aufbrechen können. Aber heute habe ich den anderen von den beiden momentan so heißbegehrten Terminen ergattert: den bei meiner Lieblingsfriseurin!

Da war es also passiert! Mehrfach hatte ich, frischverliebt wie ich war, meiner angehenden Braut nun schon Blumen geschenkt. Aber just am 8. März waren keine dabei! Auch nicht die traditionelle Rose. Und ich war mir noch nicht einmal einer Schuld bewusst. 8. März – die Bedeutsamkeit dieses Tages war mir nicht bewusst. Da bin ich in einem westdeutschen, eher konservativen Elternhaus aufgewachsen. Schlimm wäre es gewesen den Muttertag zu vergessen! Aber der Weltfrauentag wurde nie besonders begangen. Bei meiner Frau, im Osten sozialisiert, war das etwas ganz anderes!

„Zum Nachmachen!“ So bieten Gemeinden und Kirchen besondere Aktionen auf sozialen Plattformen wie Facebook an. Das Prinzip ist wunderbar: Eine Gemeinde hat eine Idee ausprobiert, umgesetzt, Erfahrungen gesammelt und gibt diese Idee nun weiter. Das kann der Entwurf einer Konfirmandenstunde sein. Oder eine coronagerechte Aktion für Kinder, etwa eine Bastelarbeit mit einer Nascherei dabei, in Papiertüten den Kindern nach Hause gebracht. Oder ein Gottesdienstentwurf, eine Idee für einen Kindergottesdienst. Oder der Austausch von Erfahrungen mit digitalen Gottesdiensten und Austausch über die unterschiedlichsten Plattformen, die man dafür nutzen kann. „Zum Nachmachen!“ Wie schön, wenn man nicht alles selber erfinden muss.

Es war eine der letzten gemeindlichen Veranstaltungen, die noch möglich waren, bevor der Lockdown kam im vergangenen Jahr: Die Feier des Weltgebetstages der Frauen, die traditionell immer am ersten Freitag im März weltweit begangen wird. Heute nun findet diese Veranstaltung in vielen Ländern so ganz anders als sonst statt: vielerorts rein digital oder in deutlich kleineren Gruppen als sonst, und mancherorts wird sie ganz ausfallen. Schade! Denn eigentlich lebt dieser Weltgebetstag von der Begegnung von Menschen verschiedener christlicher Konfessionen, die sich an diesem Abend treffen um miteinander Gottesdienst nach einer Liturgie und Texten und Gedanken zu feiern, die jedes Jahr von Frauen eines anderen Landes ausgearbeitet werden.