Diese Woche musste ich nach langer Zeit mal wieder an ihn denken. Seinen Namen weiß ich leider nicht mehr. Er war Assistent am Seminar für Altes Testament an der Universität in Mainz und hatte die Aufgabe uns Studienanfängerinnen und -anfängern in die althebräische Sprache einzuführen. Er tat es mit großer Hingabe. Eine Unterrichtsstunde ist mir noch besonders in Erinnerung. Er kam in den Hörsaal und kündigte an: Heute übersetzen wir ein Liebeslied. Er konnte wunderbar die Augen rollen und hatte einen ganz besonderen Akzent, der das Zuhören zum noch größeren Vergnügen machte. Und er begann uns einzuführen in die Welt des Alten Orients und die Symbolik des Weinberges: Kein größeres Kompliment könne man einer Dame machen als das, sie mit einem Weinberg zu vergleichen, der viele köstliche Trauben trägt!

Wir sind längst in der zweiten Woche der Passionszeit angekommen. Die diesjährige Aktion: „Sieben Tage ohne Denkblockaden. Spielräume nutzen“ hat diese zweite Woche (von Mittwoch zu Mittwoch) unter die Losung gestellt: Von der Rolle. Und verweist auf einen Bibeltext im Alten Testament: Jeremia 1,4-8. Der Profet Jeremia erzählt dort von seiner Berufung zum Profeten. Gott spricht zu ihm: „Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete.“ Und Gott erklärt Jeremia, er habe ihn von Anfang an zum Profeten für die Völker bestimmt. Jeremia erwidert, er sei noch zu jung. Aber Gott sagt: „Sage nicht: „Ich bin zu jung!, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir und will dich erretten,“, spricht der Herr. – Wow, das ist ein starker Text.

Sie hatte es sich so gewünscht. Noch einmal die Schneeglöckchen erleben. Sie hat sich so nach Frühling gesehnt. Sie wusste, dass ihr nicht mehr ganz viel Zeit bleibt. Sie hoffte noch auf dieses eine Frühjahr. Aber mitten im Winter, als der Schnee in dicken Flocken bei uns auf die Erde fiel, ist sie gestorben. Und er: steht jetzt im Garten und betrachtet die Schneeglöckchen. Und denkt an sie. Und weiß gar nicht, was er mehr empfinden soll: die Verbitterung über ihr Sterben, und dann noch in dieser Coronazeit, den Schmerz, sie loslassen zu müssen und dieses Frühjahr und alle Zeit auf Erden, die kommt, nun ohne sie an seiner Seite zu erleben. Oder die Erleichterung, dass sie es geschafft hat.

„Sie aßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken übrig blieb – zwölf Körbe voll.“ (Matthäus 14,20) Das ist die neutestamentliche Tageslosung für heute. Eine besondere Geschichte, die zu diesem V Vers gehört: Jesus hat 5000 hungrige Menschen vor sich, aber nur 5 Brote und 2 Fische – aber es reicht! Am Ende bleibt sogar noch übrig: 12 Körbe voll. Die heilige Zahl 12, die an die zwölf Stämme Israel erinnert, für die ja auch die 12 Apostel stehen. Will sagen: am Ende geht niemand, der zu Gottes Volk gehört, mit leeren Händen und hungrig heim. Ja, es bleibt nicht deshalb so viel übrig, weil die Menschen sich nicht zu nehmen trauen – die Bibel sagt ausdrücklich: sie wurden alle satt! – Es reicht! Auch wenn auf den ersten Blick so wenig nur da zu sein scheint.

In der Bibel, im Buch der Sprüche 8 spricht die Weisheit: „Der Herr hat mich schon gehabt am Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war ... Als er die Himmel bereitete, war ich da ... als er die Grundfesten der Erde festlegte, da war ich beständig bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.“ (Sprüche 8,22–31 in Auszügen). Das ist der Bibeltext für die erste Woche der Aktion: Sieben Wochen – ohne Denkblockaden. – Spielräume nutzen.

Sieben Wochen ohne Denkblockaden. Spielräume nutzen. Das tat so richtig gut am Wochenende zu erleben. Zum Beispiel gestern Abend nach unserem Livestream-Gottesdienst aus Horsbüll: Ich sah Biikefeuer. Nein, keine Sorge, das waren keine widergesetzlichen öffentlichen Anlaufpunkte – es waren Menschen, die einfach in ihren Gärten in einer Feuertonne oder an einer Feuerstelle ein kleines Feuer machten: für die Familie. Einfach um an diese besondere Tradition hier in Nordfriesland zu erinnern und mit Corona nicht alles ausfallen zu lassen. An mehreren Stellen sah man von weitem über unsere freie Landschaft hinweg solche kleinen Biikefeuer auf Privatgrundstücken, und das war richtig schön anzusehen und tat riesig gut! – Die brennende Biike in Galmsbüll konnten die, die im Garten kein eigenes Feuerchen hatten, dann daheim am Bildschirm im Livestream bewundern, von Sigrid Brandenburg wunderbar ins Bild gesetzt! –