Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Johannesbrief 3,8 )

Der Wochenspruch für die neue Woche. Die Werke des Teufels. Selten hatten wir wahrscheinlich dabei so viele schreckliche Bilder vor Augen wie in diesen Tagen. Und wir – viele beten, viele demonstrieren, viele läuten Glocken, viele spenden, manche fahren sogar an die Grenze zum Kriegsgebiet, bringen Hilfslieferungen hin, bringen Geflüchtete in Sicherheit. Dafür ist Gottes Sohn erschienen. Regierungen liefern Waffen gegen diese militärische Übermacht. Freiwillige fahren in die Ukraine um dort den bewaffneten Kampf derer, die für ihr Land und ihre Freiheit ihr Leben aufs Spiel setzen, zu unterstützen. Und wir hoffen, dass es gelingen wird, so schnell wie möglich, das Treiben des Teufels zu stoppen und sein Wirken wirklich zu zerstören!

Bleibt behütet!

„Und was soll das bringen?“ – Fragt ein Konfirmand, als ich in der letzten Stunde von einer Mahnwache vor der Neugalmsbüller Kirche erzählte und vom Friedensläuten, das am Donnerstag Mittag stattfand. Ja, was soll das bringen für die Menschen in der Ukraine, das hatte er ja im Hinterkopf bei der Frage. „Die brauchen Waffen und Ausrüstung, keine Gebete“, schob er so sinngemäß noch hinterher. – Und er ist ja nicht der erste, der so fragte. Wenn Kirchengemeinden in den sozialen Netzwerken zu Friedensgebeten einladen, schreibt häufig mindestens einer oder eine der User*innen ganz ähnlich: Was soll das bringen? – Klar ist: Gebete ersetzen kein Handeln. Aber aus unserer christlichen Sicht ist ein Gebet kein Blabla und auch keine Gewissensberuhigung. Mit tut es gut bei einer Mahnwache, einem Gebet mit anderen zusammenzustehen: wir sind nicht so allein mit der eigenen Hiflosigkeit! Es ist für mich so kostbar, unser Herz vor Gott ausschütten zu können. Die Ohnmacht, die wir fühlen, die Bilder, die auch uns hier nicht einfach schlafen lassen, die Not der Menschen dort, von denen wir manchmal sogar jemand kennen: das zerreißt auch uns und muss raus. Ich glaube, Gott hört unsere Gebete und versteht unsere Seufzer. Mir tut es gut mich an Gott zu wenden, da wo ich momentan nicht viel tun kann. Er ist unsere höchste Instanz, die wir im Glauben haben. Er ist der Weltenrichter, vor dem sich jede und jeder einmal verantworten muss, auch Diktatoren, die die Weltgemeinschaft vor keines ihrer Gerichte gezogen bekommen. Er ist der Anwalt der Opfer, der einmal alle Tränen, Wunden, Schmerzen zur Sprache bringen wird, die momentan einfach geschehen, oft genug sogar nicht einmal gesehen in den sozialen Netzwerken. Und er ist auch meine Hoffnung, dass er Herzen bewegen kann. Vielleicht auch das Herz eines Putins. Alle Begegnungen auf politischer und diplomatischer Ebene führten bisher zu keinerlei Erfolg, und dennoch waren sie wichtig – es ist wichtig alles zu probieren. Wieso sollte ich mich da nicht auch weiter an Gott wenden, vielleicht kann doch etwas passieren zum Besseren hin. Und dann höre ich auch von Menschen aus der Ukraine, dass es für sie wichtig ist, dass wir etwas tun – aber auch, dass wir auf die Straße gehen, demonstrieren, schweigen, Glocken läuten, beten. „Wir sind dankbar für eure Gebete, für die militärische und humanitäre Hilfe eurer Länder, für jede Person, die geflüchteten Menschen hilft oder sich an Anti-Kriegs-Demonstrationen beteiligt.“, so schrieb das Weltgebetstagsfrauenteam aus der Ukraine in diesen Tagen. Und aus dem russischen Weltgebetstagskomitee kam die Nachricht: „Wir beten für unsere Brüder und Schwestern in der Ukraine. Mögen diese furchtbaren Zeiten bald ein Ende haben.“ Ich kann nicht beziffern, was Gebete ausrichten. Ich kann nicht messen, wie viel Kraft sie Menschen in Not geben können. Aber ich glaube, dass sie niemals umsonst sind. – „Und was soll das bringen?“ – Ja, ich weiß nicht genau, was. Ich brauche das momentan für mich. Und ich hoffe: es ist nicht umsonst. „Es ist aussichtslos“, ist kein Glaubenssatz. – Mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden aber luden wir das Kirchenauto voll mit Hygieneartikeln und Kleidung und Spielsachen und anderen Hilfsgütern und brachten die Sachen zu Joachim Hansen und Maike und ihrem Team für den großartigen Hilfskonvoi Richtung Polen. Dass das etwas bringt, darüber mussten wir keinen Moment diskutieren. Ein Segen, dass es solche Menschen wie Koja und Maike gibt! – Bleibt behütet!

Wenn Gottesdienste lange im Voraus vorbereitet werden, kann es passieren, dass die weltpolitische Lage sie völlig überholt. Es wird eine Herausforderung sein heute Abend in vielen Gemeinden den jährlichen Weltgebetstag der Frauen zu feiern, der immer am ersten Freitag im März stattfindet. Das Gastgeberland – oder dieses Mal die Gastgeberländer – sind England, Wales, Nordirland, also in Europa zu Hause. Aber natürlich konnte das Vorbereitungsteam im vergangenen Jahr nicht ahnen, auf welche bedrängende Lage in Europa dieser Weltgebetstag treffen würde. Und bestimmt werden vielfach heute Abend vielfach Gebetsanliegen ergänzt und Kerzen angezündet werden für den Frieden und die Menschen in der Ukraine und die vielen auf der Flucht. – Zwei Impulse aus dem Vorbereitungsheft haben mich allerdings sehr berührt – sie sind so aktuell wie nie. Da ist das Titelbild des Weltgebetstages: eine Tür, die sich öffnet, und Leben dahinter, lebenswertes Leben: eine Pflanze im Asphalt, eine Friedenstaube am Himmel. Und da ist das zentrale Bibelzitat aus Jeremia 29, zu dem der Gottesdienst vorbereitet wurde: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht Gott der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch Zukunft gebe und Hoffnung.“ Und die Worte: „Ich werde euer Schicksal zum Guten wenden.“ (Vers 14). Ob diese Worte die verzweifelten Menschen in der Ukraine erreichen können? Vielen bedeutet ihr christlicher Glaube dort unendlich viel, das haben wir selber bei so mancher Begegnung mit einem ukrainischen Schulchor nahe Kiew hier in Deutschland erleben dürfen. Wir sehen nichts von Frieden, wir spüren kaum Hoffnung, wir sind ernüchtert und traurig und tief bewegt beim Anblick der so tapfer kämpfenden Belagerten und wollen uns gar nicht ausmalen, was alles noch auf diese zukommen wird. Gott, bitte, es wird Zeit: pflanze deine Gedanken in die Köpfe der für diesen Krieg Verantwortlichen ein, stoppe diesen Wahnsinn. Du willst Zukunft, Hoffnung, Frieden. Für Kiew, für die Ukraine, für die Menschen dort! Wir sehen gar keinen Weg, wie in der momentanen Lage etwas dort wieder gut werden kann. Du siehst es. Darauf müssen wir vertrauen. – Wo wir leer sind und verzweifelt, da können wir uns doch nur an die anderen, besseren Gedanken Gottes halten: er weiß einen Weg, er hat einen Plan. Und er will uns an seiner Seite haben, alle, mit unseren Möglichkeiten, dass dieser Plan Wirklichkeit werden kann. – Es mag hilflos erscheinen dann einfach mittags wie gestern europaweit 7 Minuten die Glocken zu läuten oder ein Gebet zu sprechen oder auf die Straße zu gehen. Aber einfach gar nichts tun kann doch auch nicht der Weg sein! Heute geschieht ganz viel: da fährt ein Klanxbüller Unternehmer mit 13 Sprintern vollbeladen mit Kleidung, Decken, Hygieneartikeln, Spielsachen, Babyflaschenwärmern und vielem mehr, was alles gespendet wurde – und mit einem tollen Team – Richtung Polen, und von dort werden die Sachen weitergeliefert an die ukrainische Grenze, zu Flüchtlingslagern, zu Familien, die Flüchtlinge aufnehmen. Das ist so ein kleiner Silberstreif Hoffnung, das ist etwas zum Überleben für die Menschen dort, da leuchtet etwas auf von der Welt, wie sie sein könnte und wie sie sich Gott vorstellt. – Kommt gut an und gut wieder heim, viel Segen für eure Reise, Maike und Koja! Und ihr alle – bleibt behütet!

Bild: Weltgebetstag 2022, Stickerei von Angie Fox

Eine Woche Krieg in der Ukraine. Bilder, Nachrichten aus dem Land, die unvorstellbar sind … Statt eigener Worte hier der Bibeltext für die erste Woche der Passionszeit von der Aktion: 7 Wochen ohne der Evangelischen Kirche. Ausgewählt zu einer Zeit, als an einen solchen Krieg noch niemand denken konnte:

„Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge, und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen Krieg zu führen. Kommt nun, ihr vom Hause Jakobs, lasst uns wandeln im Licht des Herrn!“ (Jesaja 2,1–5 in Auswahl). – Würde es doch so werden auf der Welt, in der Ukraine: Dass Gott seine Wege lehrt und alle Welt verlernt Kriege zu führen! Seid behütet! Foto: Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen in Israel. Selig die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen!

„Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.” (Lukas 18,31)

Die Passionszeit hat begonnen. Aschermittwoch. Ein Tag um sich Asche aufs Haupt zu streuen. Das Leben zu bedenken. Sich neu auf Gottes Frieden und Liebe auszurichten. Wenn dies doch auch für den russischen Präsidenten Anlass wäre!

Mitten im Leiden sind wir längst angekommen. Die Nachrichten aus der Ukraine schnüren einem schier die Kehle zu. Unvorstellbares Leid ist über die Menschen dort hereingebrochen! Irgendwann gestern Abend konnte ich die Bilder nicht mehr ertragen von dem russischen Konvoi, der immer näher an die Stadt Kiew heransteuert. Von Krankenhäusern, die bombardiert werden. Väter, die sich von Frauen und Kindern verabschieden, die sie zur Grenze begleitet haben. Sterbenden, Verzweifelten. Und das alles vielleicht 1700 Kilometer von uns entfernt. – Ich musste zwischendurch umschalten, DFB-Pokalspiel, St. Pauli – Union Berlin.

Einfach mal was anderes sehen, eine kurze Ablenkung, weil die Bilder aus dem Krieg so unerträglich waren. Nur die Menschen in der Ukraine können sich nicht mal schnell mit der Fernbedienung aus dem Krieg herausschalten!! Als Jesus in voller Leidensgestalt, geschlagen, gegeißelt, zum Tode verurteilt vor Pilatus steht, sagt er diese seltsamen Worte: Siehe – ein Mensch (Oder vielleicht: Seht, welch ein Mensch). Und damit berührt er das Geheimnis dieser Passionszeit. Christus ist gekommen um unser Leiden an seinem Leib mitzutragen, mitzufühlen. Er erklärt sich mit allen Leidenden solidarisch. Er wird wie sie. Und noch immer fühlt er alles Leid selber mit. Er scheint manchmal so wehrlos, so ohnmächtig inmitten des Grauens dieser Welt. Aber er ist nahe. Mitten im Leid. Bei denen, die sich allein und im Stich gelassen fühlen. Er fühlt mit ihnen. Er ist bei ihnen. Und hält der Welt den Spiegel vor: Wollt ihr dieses Leid einfach so geschehen lassen? Oder wollt ihr nicht alles, was geht, tun, um Leid zu überwinden und um Menschen im Leiden zur Seite zu stehen? – „Seht, welch ein Mensch!“ – Aus den Bildern von Menschen in der Ukraine, auf der Flucht, verwundet, weinend, verzweifelt – schaut uns Jesus an. Verstehen wir seine Botschaft? Bleibt behütet!

Euer Pastor Gerald Rohrmann

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ (Lukas 2,10–11)

 Heute lasse ich hier einfach diese Worte stehen aus dem Weihnachtsevangelium. Er ist der – der 24. Dezember. Heiliger Abend. Wenn ihr mögt, seid herzlich eingeladen zu unseren Gottesdiensten: