22. Dezember 2021

Eigentlich sollte es den Schulgottesdienst gestern geben. Schülerinnen und Schüler der Carl-Ludwig-Jessen-Schule hatten ihn vorbereitet. Meine Konfirmandengruppe, die ich dort betreue, hatte ein Gebet einstudiert, das sie vortragen wollten. Eine andere Jahrgangsstufe war mit dem Krippenspiel betraut. Aber dann ließ die Corona-Situation diesen recht großen Gottesdienst nicht mehr zu. Alles wurde abgesagt.

Eigentlich sollte es am Abend das Weihnachtskonzert geben. Der gemischte Chor in Galmsbüll hatte mit Birgit Deussing monatelang darauf hingearbeitet. Lieder waren ausgewählt worden, Proben fanden statt, Vorfreude. Aber dann ließ die Corona-Situation ein solches Konzert in der Kirche so kurz vor Weihnachten nicht mehr machbar erscheinen. Der Chor verabschiedete sich ohne Auftritt in die Winterpause. Eigentlich – so fangen viele Geschichten zur Zeit an. Geschichten von schönen Plänen, guten Gedanken und Vorhaben. In früheren Jahren war das alles so selbstverständlich. Die einzige Sorge war, dass möglichst keiner der Hauptakteure vorher erkrankt, das konnte ja immer mal passieren, eine Grippe im Winter etwa. Seit der Corona-Pandemie ist alles aber anders. Es gibt noch ganz andere Eigentlich-Geschichten. Nicht alle sind der Coronalage geschuldet. Manche schon. Eigentlich wollte sie alles so schön vorbereiten für ihre Kinder daheim. Geschenke einkaufen, die Wohnung herrichten, alles schön zurecht machen. Stattdessen macht sie Überstunden auf der Intensivstation. Die ist schon überbelegt, und einige aus dem Pflegepersonal sind jetzt selber erkrankt. Sie hat Angst sich auch selber anzustecken. Oder irgendwann vor lauter Arbeitsbelastung zusammenzubrechen. Sie muss durchhalten – für ihre Kinder. Sie will mit ihnen so gerne Weihnachten feiern. Wenn sie nicht alle Geschenke hat, was macht das schon. Hauptsache, sie hat n Heilig Abend wirklich frei und kann bei ihren Kindern sein. Eigentlich haben sie die Feier schon so schön geplant. Endlich wieder mit der ganzen Familie zusammenzukommen. Letztes Jahr mussten sie alles absagen wegen der Coronalage. Dieses Mal ist es noch nicht verboten mit 15 Personen – so viele sind sie, nur die engste Familie – zusammenzukommen. Aber ist es auch ratsam? Was, wenn irgendjemand die Großeltern ansteckt? Auch wenn alle geimpft sind, Impfdurchbrüche gab es doch schon! Was könnte alles passieren? Sie würden es sich nie verzeihen! Also doch lieber alles absagen und zu Hause bleiben? Eigentlich wollte sie Weihnachten feiern. Nichts Großes, aber doch ein paar schöne Stunden in der Familie. Jetzt ist alles anders geworden. Ihr Partner liegt auf der Intensivstation und wird beatmet. Er war kein Impfgegner, aber vielleicht waren sie etwas zu sorglos gewesen. Die Arbeit, der Hausbau, die Pflege der kranken Mutter, sie hatten einfach auch nicht die Zeit gefunden sich um einen Impftermin zu kümmern, alles andere musste ja auch weitergehen. Und sie dachten, sie hätten noch Zeit und sie waren ja auch vorsichtig. Jetzt liegt er da und kämpft um sein Leben. 70% derer, die beatmet werden, würden es nicht schaffen, hat der Arzt ihr gegenüber gesagt. Aber er muss es doch schaffen, sie haben doch noch so viel vor! Weihnachten auf der Intensivstation, und sie weiß nicht, ob es ein Happy End für sie geben wird. Wie verblassen daneben ausgefallene Familienfeiern, abgesagte Konzerte, lieber verschobene Krippenspieltermine. Unsere Gedanken und Gebete sind bei denen, die um ihr Leben kämpfen oder um das anderer Menschen. Und da hinein hören wir Worte der Weihnachtsgeschichte ganz anders und neu: „Fürchtet euch nicht! Euch ist der Heiland geboren! In eine Welt, die nicht vorbereitet war. Inmitten von Menschen, die sich sorgten und bangten und sich am Ende fühlten. Kein Zimmer war bereitet, kein Bett für ihn aufgestellt, weil die Menschen ganz andere Sorgen hatten. Aber er kam – um ihr Leben zu teilen. Seine Hand auf ihre Wunden zu legen. Seinen Frieden ihren Herzen zu schenken. Um einfach zu sagen: Ich bin da für dich! Auch wenn dein Leben gerade kaum zum Aushalten ist. Ich halte an deiner Seite aus.“ – So spricht Jesus seit über 2000 Jahren. Und in alles Menschenleid, in alle Dunkelheit hinein macht er seine Zusage war: Dasein, Mittragen, Hoffnung schenken, Licht bringen. In die größte Dunkelheit. Es wird Weihnachten. Auch in diesem Jahr. Wir brauchen es. Wir brauchen: ihn! Bleibt behütet!

Foto: Bethlehem, Kirche auf den Hirtenfeldern

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