23. Dezember 2021

Also, der Baum steht jetzt so halbwegs. Geschmückt ist er auch schon – bis auf die Spitze, die wird als allerletztes im Beisein der ganzen Familie aufgesetzt. Na, und ein bisschen Süßwerk kann noch in den Baum gehängt werden. Und dann ist da noch die Krippe mit den Krippenfiguren. Nicht so leicht einen guten Platz für sie zu finden. Unter dem Baum reißt der Hund alles um… – Die Krippenfiguren. Habt ihr sie schon aufgestellt?

Das Krippenspiel, das unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden in Klanxbüll an Heilig Abend aufführen wollen, hat da noch ein paar Rollen parat, die in klassischen Krippendarstellungen fehlen. Oder haben Sie etwa einen Postboten bei Ihrer Krippe stehen? Aber auch eine ganz klassische Figur aus der Weihnachtsgeschichte fehlt doch tatsächlich bei der Krippe. Und das ist der Gastwirt. Oder, gerne auch die Gastwirtin, denn die Krippe ist ja doch etwas männerlastig, mal von Maria abgesehen, und den Engeln, bei denen wir nicht so recht wissen, ob sie männlich oder weiblich sind. – Warum haben es die Gastleute nicht in die Krippe geschafft? In den Drehbüchern zeitgenössischer Krippenspiele kommen die Gastwirte von Bethlehem ja immer ziemlich schlecht bei weg. Sind sie es doch angeblich, die Maria und Josef einfach abweisen: Kein Zimmer frei, macht euch fort! – Dabei schildert es der Evangelist Lukas in seiner Weihnachtsgeschichte anders und gar nicht so negativ: Maria wickelte ihr Kind in Windeln und legte es in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Platz in der Herberge! – Da ist also gar keine Rede, dass irgendein Wirt Maria und Josef einfach abgewiesen hat. Sondern sie bekommen einen Platz beim Vieh, das in den meisten Häusern der damaligen Zeit mit untergebracht war, Wand an Wand mit der Wohn- und Schlafstube der Familie – also kein abseits gelegener Stall, sondern direkt am Haus, unter demselben Dach. Und der Platz beim Vieh war immerhin ein warmer Platz. Die Menschen früher hatten für sich selber meist nur einen einzigen Raum zum Wohnen, Essen und Schlafen, da war es dann wirklich schwierig auch noch Fremde dazu zu nehmen. Und wenn der Ort, wo Maria und Josef unterkamen, wirklich ein Wirtshaus war, dann kann man sich auch vorstellen, dass wegen der Volkszählung und der damit verbundenen „Völkerwanderung“ wirklich schon alle Übernachtungsbetten belegt waren. – Also, die Wirtsleute lassen sich etwas einfallen, weisen Maria und Josef überhaupt nicht ab, zeigen Herz für die Fremden, die dringend eine Bleibe für über Nacht brauchen. Insofern hätten sie einen Platz in unseren Weihnachtskrippen verdient: Zwei freundliche Personen mit Schürze und Laterne in der Hand, die Maria und Josef zur Krippe am Haus führen. Wir können auf jeden Fall viel von diesen freundlichen Gastgebern in Bethlehem lernen. Lässt uns doch gerade viel zu sehr kalt die Situation in den Flüchtlingslagern etwa an der Grenze zwischen Weißrussland und Polen. Oder die Lage der Fliehenden in den viel zu kleinen Booten auf dem Mittelmeer. Oder die Not der Obdachlosen, deren Zahl in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen statt gesunken ist. Oder die Einsamkeit mancher, die an Weihnachten niemanden haben, in dessen Gesellschaft sie den heiligen Abend verbringen können. Der Gastwirt, die Gastwirtin in Bethlehem öffnet ihr Haus und findet eine Lösung für die heilige Familie. Und so kommt Jesus zur Welt: nicht in einem Himmelbett, aber in einer Krippe, bei den Tieren, aber immerhin an einem warmen, trockenen Ort und willkommen. Da habt ihr Wirtsleute diese Geschichte vom Kommen Jesu in die Welt doch noch halbwegs gerettet! Prosit auf die Gastfreundschaft! – Bleibt behütet!

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Foto: Die wunderschöne Krippe in der Christuskirche in Niebüll - allerdings auch ohne Wirtsleute 🙂

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