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Üben – ohne Stillstand! – Gedanken zur Passionszeit

Sieben Wochen: Üben – ohne Stillstand!

Das ist das Motto der diesjährigen Fastenaktion in unserer evangelischen Kirche. „Üben ohne Stillstand“ – die Worte könnten von meinem Musiklehrer stammen, der mir erst Flöte, dann Altflöte beigebracht hatte und mir dann eine Violine überreichte. Ich tat mir schwer mit diesem Instrument! Und das Üben machte mir nicht wirklich Spaß! Vor Klassenarbeiten habe ich manchmal zu viel geübt. Abends vor der Klassenarbeit im Bett noch Vokabeln gelernt oder Matheaufgaben zu lösen probiert. Meist schlief ich dann schlecht ein und ging dementsprechend unausgeschlafen in die Prüfung am nächsten Tag. – Üben ohne Stillstand ist gar nicht so ratsam, Pausen sind wichtig um das Gelernte sacken zu lassen und den Kopf zu lüften. Am Abend vor einer Prüfung ist es vermutlich besser sich einen unterhaltsamen Film anzuschauen und so auf andere Gedanken zu kommen als sich bis zum Abwinken noch irgendeinen Lernstoff eintrichtern zu wollen. – Üben ohne Stillstand ist also ein ganz schön anspruchsvolles Motto. Es klingt nach Lernen ohne Unterlass und „workaholic“. Dabei soll doch die Passionszeit auch eine Zeit der Einkehr, der Stille und Muße sein, sich Zeit nehmen für neue Gedanken, auch für Zwiesprache mit Gott! Spannend an dem Motto ist aber der Begriff: Üben! Glaube bedarf der Übung. Glaube fällt wohl niemandem einfach in den Schoß. Glaube braucht Inspiration, braucht Austausch, braucht Zeit, dass wir Fragen nachgehen können, uns aus der Bibel inspirieren lassen. „Übung macht den Meister“, war ein Spruch meines Vaters, wenn eine Klassenarbeit nicht so lief. Und als Trostwort nachgeschoben: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ Das motivierte mich nicht gleich aufzustecken! - „Üben ohne Stillstand“: Vielleicht will uns dieser Slogan einfach erinnern: Bleib dran. Glauben, Lieben, Hoffen: Das ist nichts nur für den Sonntag oder ab und zu, das will jeden Tag eingeübt, gepflegt, ausprobiert werden. Und diese 40 Tage bis Ostern sind eine wunderbare Gelegenheit, um Gott zu Wort kommen zu lassen, in der Bibel zu lesen, Glauben neu zu wagen. „Üben ohne Stillstand“ lädt ein etwas auszuprobieren. Vielleicht wirklich mal einen Tag sich im Schweigen üben, die Stille aushalten und hinhören, was uns Gott sagen will. Den Fernseher öfter auslassen und ein Buch lesen, das du schon lange mal lesen wolltest. Die Hände falten und beten - sitzend, stehend, bei Kerzenlicht oder beim Spazierengehen. Oder: Beherzt handeln, für den Klimaschutz etwas tun, den Plastikverbrauch reduzieren, das Auto öfter mal stehen lassen. Oder der Liebe ein neues Tätigkeitsfeld verschaffen, in Menschen in Deiner Nähe Deine Nächsten entdecken, die Dich brauchen, die Du brauchst – und du wirst dabei auch Gott nahe kommen! „Üben ohne Stillstand“ – ich verstehe die Worte als Einladung: Übung macht den Meister. Aber wir dürfen wissen: unser Meister ist Gott sei Dank Jesus, du und ich, wir müssen nicht aus uns glänzen- Jesus lässt uns glänzen, weil er uns liebhat und seine Hand uns hält. Mit der Violine damals, das hat übrigens nicht geklappt. Es war einfach nicht mein Instrument. Aber ich war doch froh es zumindest mal ausprobiert zu haben. – Ich wünsche euch großartige Entdeckungen an euch, mit euch und mit Gott in diesen Wochen bis Ostern!

Seid behütet! Euer Pastor Gerald Rohrmann