Lohnt sich Beten? Was meint ihr? Oder darf man gar nicht so fragen? Lohnt sich beten? Wie viel Zeit habt ihr schon mit Beten verbracht? Und, sagt einmal: wie war die Ausbeute? Komisches Wort, Ausbeute…Aber bei anderen Dingen fragen wir doch: Stimmt das Kosten-Nutzen-Verhältnis? In meiner Schulzeit hat uns Jugendliche eine Mundartband begeistert – und ich kenne aktuell mindestens einen ganz großen Fan dieser Gruppe auch hier im hohen Norden, ganz im Norden, im Lübke-Koog nämlich: das war die Gruppe Bap. Kölner Mundart, und Texte mit Tiefgang. Ein Lied dieser Gruppe heißt: Wenn et Bedde sich lohne däät! Und dann zählt der Sänger Wolfgang Niedecken auf, was er alles tun würde, wenn, ja, wenn sich Beten lohnen täte: eine Kerze für Elvis anzünden, für den Feldherrn beten, der nur darauf wartet, dass er verliert, für einen Riesenapplaus für die Klofrau beten (manche Liedzeilen gewinnen in der Gegenwart neue Brisanz, Riesenapplaus fürs Pflegepersonal haben wir erst erlebt!) – und alle Schranken und Grenzen sollten verschwinden und alle Waffen sowieso.

Muttertag 2020: Dieser Muttertag bleibt für sie unvergessen. Wie war sie seit Wochen längst an ihrem Limit angekommen: Homeoffice und ihre zwei kleinen Kinder betreuen – es war eine Aufgabe, an der sie regelmäßig zu scheitern drohte. Manche Konferenzen musste sie abbrechen, weil nebenan eines ihrer Kinder zu weinen anfing. Die Arbeit in ihrem Job, die sie tagsüber nicht schaffte, musste sie nachts am PC nachholen, wenn ihre Kinder schliefen. Aber wann sollte sie selbst schlafen? Sie hatte in diesem Jahr gar nicht an den Muttertag gedacht

Heute wie versprochen der zweite Teil der sonntäglichen Predigt - gehalten zur Melodie von „Blowing in the wind“. Danke an Ines Johannsen für ihr wunderbares Orgelspiel:

7) Gott, du mein Gott, du scheinst dieser Welt mit einem Mal so fern – und Jesus versprach uns doch: er ist alle Zeit für uns da?/ Hier ist so viel Leid, und Menschen sterben an dem Virus, und so ist es auf der ganzen Welt, und wir fragen bang: wie soll das mit dem Virus erst werden in armen Ländern, in Afrika! /Mit einem Mal merken wir Versäumnisse: wir haben uns viel zu wenig umeinander gekümmert, nahmen die Ungerechtigkeiten vor unserer Haustür und die Armut in der Welt kaum richtig wahr:/Doch in diesen Coronazeiten merken wir, wie verletzlich, wie machtlos, auch wie sterblich wir alle sind:. Und so kommen wir zu dir: Du bist doch unser Papa im Himmel, und jeder von uns dein Kind!

Die Predigt gestern zum Orgelspiel von „Blowing in the wind“ war daheim an den Smartphones nicht für alle gut zu verstehn. Darum schicke ich heute den ersten Teil der Predigt mit, und morgen kommt dann der zweite (ist hier in der Rubrik sonst bisschen lang mit einem Mal) – einfach noch mal zum Nachlesen, wer mag. Und habt dabei im Hintergrund die Melodie im Ohr: Blowing in the wind!

Bleibt behütet auch an diesem neuen Tag! Euer Pastor Gerald

1) Wie lang ist es her, dass du das Wort Corona noch nicht kanntest oder es nur als Fremdwort neben tausenden hast gehört?/Wie lang ist es her, dass kein Gedanke an Ansteckung deine Umarmungen mit lieben Menschen hat gestört?/Wie lang ist es her, dass du hinter der Theke deiner Gaststätte standest. Bereit für die 100 Gäste der Geburtstagsfeier: sie waren dir jeden Einsatz wert!/Die Antwort weiß vielleicht der Wind, doch deine Seufzer und Fragen haben jetzt ihre Zeit: Gott kommt zu dir in allen Schmerz und alle Einsamkeit.

Es war der erste Tag danach – nach der Kapitulation Deutschlands und damit auch dem Ende der NS-Schreckensherrschaft! Dass durch die Corona-Pandemie die Gedenkveranstaltungen nun so still, leise, ohne große Öffentlichkeit, ohne internationale Gäste, junge Menschen und Zeitzeugen stattfinden musste, ist sehr schade. Aber als ich gestern im Fernsehen den einsamen Trompetenspieler hörte und dann die Worte des Bundespräsidenten, dachte ich doch so bei mir, dass diese Art des Gedenkens dennoch sehr würdig war. Ein Tag der ganz leisen Töne. Da ist die Dankbarkeit, dass seit nunmehr 75 Jahren in Deutschland und Westeuropa kein Krieg mehr war.

Das Corona-Schätzchen – Habt ihr auch ein Corona-Schätzchen? Ach so, nein, da haben wir uns jetzt falsch verstanden, ich habe ungeschickt formuliert, ich wollte jetzt nicht Einblicke in heimliche Liebschaften gewinnen, die jetzt in dieser besonderen Zeit sich angebahnt haben … Gibt es so etwas überhaupt? Ist ja gar nicht so ganz einfach sich momentan kennenzulernen mit all den Abstandsgeboten und den Mund-Nasen-Bedeckungen, die Annäherungen jedweder Art risikoreich, vor allem aber auch schwierig machen. Die einen munkeln, die Zahl der Geburten könnte im nächsten Jahr deutlich höher liegen, denn was soll man abends machen, wenn man nicht zum xten Mal Markus Lanz oder Anne Will mit Gästen anschauen möchte, deren Gesichter und Stimmen uns durch die vielen Corona-Sendungen fast schon so vertraut sind als gehörten sie zur Familie.