Ende September oder Anfang Oktober begehen wir Christinnen und Christen Erntedank. Wir danken Gott für die Ernte. In diesem Jahr vielleicht ganz besonders bewusst, weil die lange Trockenheit Spuren hinterlassen hat. Jeder Ballen Stroh, jeder Sack Getreide war selten so kostbar wie in diesem Jahr. Und die Sorgen der Viehhalter sind groß.Erntedankdeko

Es ist nicht selbstverständlich, dass etwas wächst, dass wir Wasser und genug zu essen haben. Um so dankbarer dürfen wir sein für die Früchte, die auch mit der Hitze dieses Sommers zurande kamen. Für die Ernte, die auch mit wenig Regen möglich war. Erntedank – unsere Dankbarkeit für die Ernte zeigt sich nicht nur darin, dass wir einmal im Jahr die Kirchen mit Früchte und Gemüse schmücken. Sie zeigt sich noch viel mehr in unserer Bereitschaft die Arbeit auf den Feldern und die Menschen, die sie tun, ausreichend wertzuschätzen.

Dazu gehört die Bereitschaft als Verbraucher und Verbraucherinnen tiefer in die Tasche zu greifen um mit fairen Preisen unsere Bauern ausreichend zu unterstützen und gerade auch eine regionale Vermarktung, eine ökologische Anbauweise und eine artgerechte Tierhaltung zu fördern!

Denen, die sich jetzt schon mit den Hartz-IV-Regelsätzen viel zu sehr einschränken müssen, sollten Hilfen zuteil werden, die sie wirklich gute und gesunde Lebensmittel einkaufen lässt! Und wenn wir selber dann noch bereit sind zu teilen und mit Bedürftigen bei uns an einem Tisch zu sitzen und Gemeinschaft zu haben, wäre das ein Erntedankfest, an dem Gott so richtig Wohlgefallen hätte!

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.“ (Psalm 38,10).

Das ist der Monatsspruch für den Monat Oktober. Für mich passt dieser Bibelvers auch zum Erntedankfest dazu. Wir danken ja nicht nur für den Ertrag unserer Felder und den Ertrag unserer Arbeit. Wir danken in erster Linie doch Gott, dass er da ist. Dass er diese Welt geschaffen und uns das Leben geschenkt hat. Dass er für uns sorgt, ja, dass er sich für uns Menschen, für jeden, jede einzelne: interessiert. Gott weiß um unsere Wünsche, Sorgen, Sehnsüchte: „All mein Sehnen liegt offen vor dir.“ heißt es in diesem Psalm. Manche Sehnsucht hat dieser Sommer erfüllt: wer von Sonne träumte, Relaxen im Garten oder am Meer, der wurde wohl nicht enttäuscht. Mancher hat sich einen lange gehegten Reisetraum erfüllt. Oder konnte einfach die freie Zeit genießen. Die Sehnsucht von mir und meiner Familie erfüllte sich in diesem Sommer: wir kamen endlich ans Meer. Der Umzug ging vonstatten. Wir sind hier angekommen und fanden offene Türen: nicht nur im Pastorat, sondern auch in den Herzen von Menschen, die uns in diesen Wochen so gastfreundlich und liebevoll aufnahmen!

Dafür danken wir Ihnen und danken Gott.

Unser Sehnen blieb Gott wahrlich nicht verborgen. – Was haben Sie für Sehnsüchte in ihrem Herzen? Manche verbieten wir uns viel zu schnell: denken, das geht doch nicht! Aber Gott weiß um unsere Wünsche. Ihm können wir alles

anvertrauen. Er ist ja auch immer schon im Bilde. Und er lässt sich etwas einfallen! Nicht jeder Wunsch im Leben geht in Erfüllung. Das wissen wir alle.

Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche. Aber er erfüllt alle seine Verheißungen. Und die Grundverheißung in der Bibel ist dieses: ICH BIN DA, das sagt uns Gott. Wenn das Leben schön ist und wenn es schwer ist. Auch, wenn es kaum zu ertragen ist: Ich bin da für dich! Ich fühle mit dir mit. Weine deine Tränen mit. Bin auch die Hoffnung, die dich niemals loslässt. Bin die Hand, die dich auffängt. Bin das Herz, das für dich schlägt! Denn du bist mir wichtig. So sagt es Gott. „All mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.“ In diesem Psalm staunt einer, dass Gott so Bescheid weiß. Gott kennt unser Sehnen und unsere Herzenswunsch. Und irgendetwas lässt sich Gott für uns einfallen!

Ich wünsche uns und Ihnen, liebe Gemeinde, dass in der kommenden Zeit so manches Sehnen an sein Ziel gelangt. Mancher Traum sich für Sie erfüllt. Und da, wo es dauert. Da mögen Sie immer spüren: Gott weiß Bescheid. Und er ist mit seiner Liebe an Ihrer Seite!

Erntedank erinnert uns daran: nichts im Leben ist selbstverständlich! Und Gottes Liebe ist das größte Geschenk!

Ihr Pastor Gerald Rohrmann

Tageslosung vom 22.10.2018
Wir warten auf dich, HERR, auch auf dem Wege deiner Gerichte.